Ich führe diesen Blog in der strikten Annahme, dass jeder meiner Leser ein reges Interesse an schicksalhaften Wendungen in meinem Privatleben zeigt- hier ist er also (egal ob ihrs wollt oder nicht)- der große „Juhu, endlich Jobwechsel“- Artikel!

Wer diesen Blog einige Zeit verfolgt hat, weiß, dass ich mich vor mittlerweile fast zwei Jahren notgedrungen in einen Job knechten ließ, in dem es vor allem um eins ging: Gemüse.

Mit einem grandiosen Wochenverdienst von 21€ Spitze, der immerhin ausreichend war, um meine Fahrtkosten bis zum Arbeitsplatz zu decken, durfte ich mich dreimal in der Woche dazu erniedrigen, je eine Stunde Kisten voll gut durchgereiftem Gemüse aus grünen Kisten in andere grüne Kisten zu laden, um sie später in eine große weiße Kiste zu packen (Monatelange schweißtriefende Nachforschungen haben gezeigt: Es handelt sich um das Kühlhaus. Das erklärt einiges.). Natürlich entsprach das intellektuelle Niveau dieses Jobs nicht ganz meinen optimal- Erwartungen, aber „was solls“, dachte ich, wird so schlimm nicht sein.

War es doch.

Als hätte mir jemand ein Schild auf die Stirn geklebt, war von Anfang an irgendwie klar, dass ich der absolute Oberknecht in dem Laden war, entsprechend fiel auch mein Tätigkeitsfeld aus. Über die Monate entwickelten meine Kolleginnen ein sowohl psychologisch als auch taktisch auf höchstem Niveau ausgefeiltes System, einfach uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuunendlich langsam zu arbeiten, um mich so dazu zu bringen, ihre Jobs einfach auch noch zu machen. Dies müssen sie in dem Glauben getan haben, ich wolle bestimmt auch irgendwann nochmal nach Hause, würde also irgendwann anfangen es einfach hinzunehmen. War ja dann auch so, bis ich vor kurzem auf dem Trichter gekommen bin, im Gegenzug einfach auch uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuunendlich langsam zu arbeiten.

Wer also bis diesen Freitag abend 7 Uhr in das Kaff in dem ich arbeite fährt, wird im dortigen Gemüseladen zwei Gestalten entdecken. Beide unterscheiden sich zunächst nur äußerlich und bewegen sich so langsam, dass man wahrscheinlich einige Minuten warten müsste, um überhaupt noch Bewegung zu erkennen. Letzten Endes ergebe ich mich ja dann doch meistens, aber wenigstens ein kleiner Triumph muss doch errungen werden, sonst geht irgendwann die Selbstachtung flöten. Immerhin- jetzt ist alles vorbei.

Ich kann zurückblicken auf, nicht auf ein Jahr, nicht auf mehr als ein Jahr, sondern auf eine Ära- Die Gemüse- Ära, in späteren Geschichtsbüchern wahrscheinlich als „Kolrabi- Zeitalter“ oder das „Jahrhundert der Kiwi“ bezeichnet.  Ich blicke zurück auf Abende voller Freude, als Kollegen sich in kameradschaftlicher Manier jauchzend Chicoree zuwarfen und über das satte grün der Mini- Salatgurken zu €-,79 frohlockten. Auf nette Menschen in blitzenden Sportwagen, die sich auch eine Viertelstunde nach Ladenschluss noch erbarmten, uns noch „schnell zwei Milliarden Kumquats“ oder „vielleicht noch eben eine halbe Cocktail- Tomate“ abzunehmen, damit das arme Fußvolk auch nicht am Hungertuch nagen muss. Ich blicke zurück auf Kolleginnen mit ulkigen Eigenheiten, zB. eine, die jeden Satz mit „oder“ oder „nichwahr?“ beendet und erst fortfährt, wenn sie von mir bestätigt worden ist; eine, die zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit „so“ sagte, in einem Tempo von ungefähr 2s/m (so´s pro Minute), ach ja. Irgendwann werden wir alle auf diese großartige, diese umwerfende Zeit zurückblicken, als wir noch in der guten mittelgrünen Reife unseres Lebens steckten und wir werden uns sagen: „Teufel ja, dieser Raiden, das mit dem Gemüse, da macht dem keiner was vor.“

Wie dem auch sei, jetzt arbeite ich bei der DPD, die neue Artikelüberschrift für arbeitsbezogene Sachen könnte ungefähr „fiep- fiep- Storno“ lauten, was ziemlich charakteristisch ist für das, was ich da mache:

Kisten einscannen.

Ob mans glaubt oder nicht, dass ist eine hochkomplexe Tätigkeit, die das Kurzzeitgedächtnis eines gut trainierten Memory- Weltmeisters erfordert, dafür im Gegenzug aber ungefähr so anstrengend ist wie zwei Stunden Call of Duty 4 im Multiplayer- nicht ganz anforderungslos also und auf jeden Fall wesentlich besser bezahlt. Sollte also jemand von euch in nächster Zeit ein Paket verschicken, muss er damit rechnen, dass es eventuell durch mein „Fiep- Fiep“ – dingens läuft- expect the unexpected.

Ich werde sie wohl nie ganz hinter mir lassen, die Kisten.

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August 18, 2009

„Freiheit ist aber mehr als Unabhängigkeit, sie bezeichnet den Willen und die Fähigkeit, sich selbst ein Ziel zu setzen, dieses Ziel an moralischen Werten auszurichten, mit dem eigenen Leben in Übereinstimmung bringen und konsequent verfolgen zu können.“

Bernhard Bueb (Lob der Disziplin- Eine Streitschrift)

Die Autobahn überleben-

August 15, 2009

Ein kurzes Überlebenshandbuch ohne Elke Heidenreich

Recht habt ihr. Und genau deshalb werde ich, gesegnet mit der Weisheit eines mindestens 7000 Jahre alten Mannes, euch nun einige wichtige Tipps geben, wie ihr die Fahrt in den Urlaub (und wieder zurück) am besten überlebt.

Das ganze gliedert sich in zwei Teile: Zum einen euer

1) Survival- Kit, also was ihr unbedingt braucht

zum zweiten die

2) L.d.v.F.d.u.z.T.o.S.f.w. (Liste der verhängnisvollen Fehler, die unweigerlich zum Tod oder Schlimmerem führen werden).

Das Survival Kit

Wollt ihr eine mindestens 8 stündige Autofahrt gesunden Körpers und Geistes überstehen, brauch ihr folgende Dinge UNBEDINGT:

1) Auf dem Beifahrersitz/der Freundin/im Getränkehalter zu positionieren:

RedBull, irgendein koffeinloses Getränk nach Wahl, das aber nicht besonders gut schmeckt (am besten stilles Wasser), Snickers.

2) Im CD- Wechsler/ auf dem Beifahrersitz/ dem Beifahrer bereitzuhalten:

Eine CD- Sammlung mit Titeln, die ihr auch wirklich hört, möglicherweise Hörbücher (Mindestdauer: Hin- und Rückfahrt)

3) Eine leere Flasche, mindestens 1l.

4) Einen Schraubenzieher

Ha! werdet ihr sagen, auf den Kram kann ich doch gut verzichten, der soll doch mal labern. Es folgt die L.d.v.F.d.u.z.T.o.S.f.w. (Liste der verhängnisvollen Fehler, die unweigerlich zum Tod oder Schlimmerem führen werden), die euch genauestens demonstriert, warum dem nicht so ist:

Die L.d.v.F.d.u.z.T.o.S.f.w. (Liste der verhängnisvollen Fehler, die unweigerlich zum Tod oder Schlimmerem führen werden)

Fehler 1:

Survival Kit nicht dabei. Mögliche folgen: – Ihr steht im Stau. Ihr verhungert/ verdurstet

– Es dauert mal wieder länger, aber ihr habt kein Snickers. Siehe mögl. 1.

– Ihr steht im Stau/ der Beifahrer labert, ihr schlaft ein (RedBull fehlt)

Fehler 2:

Falsches Survival Kit mitgenommen:          – Die Gummipuppe sieht zwar lustig aus, aber ihr könnt sie nicht essen.

– Das Unversalmesser lässt euch zwar bedrohlich aussehen, aber „Großstadtdschungel“ ist leider nur eine Metapher.

Fehler 3:

Cd- Sammlung vergessen:                                – Versuch…die…Finger…ruhigzuhalten…neeeein- zu spät. Du hast das Radio angestellt und Silbermond, Daugthry und die Söhne Mannheims schmelzen langsam, aber unaufhaltsam dein Hirn. Niemand kann ohne eigene Musik lange seinen inneren Roberto Blanco im Zaum halten, glaubt mir.

Fehler 4:

Leere Flasche vergessen:                               – Du stehst im Stau und hast zu viel getrunken. Kein weiterer Kommentar.

Fehler 5:

Du hast den Schraubenzieher vergessen: – Absolut verhängnisvoll. Selbst, wenn die CD- Sammlung zuhause geblieben ist, der Schraubenzieher wäre deine letzte Waffe gegen den inneren Roberto Blanco gewesen. Mit ihm hättest du die Knöpfe deiner Musikanlage raushebeln können (dagegen wäre selbst der gutgelaunte Alleinunterhalter machtlos gewesen). Jetzt stampfen die Hans&Hans und irgendein angetrunkener Nachtmoderator siegessicher durch deinen Gehörgang. Operation „verbrannte Erde“ hat begonnen.

(Alle Fehler und Auswirkungen sind beliebig kombinierbar. Dankt mir später.)

Begegnung/ Ebbe

August 10, 2009

Die Zeit im Literaturstipendium Wolfenbüttel (Literaturlabor Wolfenbüttel, homepage: http:/www.lilawo.de) ist leider für mich zu Ende. Immerhin, ich habe viel gelernt, unter anderem, dass das Schreiben ein Handwerk ist, das man auch wirklich jemandem beibringen kann.

Das letzte Treffen wurde von einem Lektor des Beck- Verlages betreut, der mit wirklich erstaunlicher Sicherheit Spreu und Weizen auseinanderhalten konnte, um so aus merkwürdigen/ unklaren Texten wirklich gute, lesbare Sachen zu formen.

Hier eines der wahrscheinlich besten  Beispiele, einmal in der Original- Version mit dem bisherigen Titel „Begegnung“, dann in der bearbeiteten Version mit dem neuen und inhaltlich schärferen Titel „Ebbe“.

Original:

Begegnung

Es war im 12. Jahr unserer Ehe, als Sie schließlich beschloss, das Ersparte unserer reiselosen Jahre zusammenzunehmen und Urlaub zu machen.
Felix beschwerte sich natürlich, weil er nicht richtig wusste, was das überhaupt war und „Urlaub machen“ sich anstrengend anhörte. Überhaupt war ich über seine bisherige Kindheit zu der Erkenntnis gelangt, mit „Felix“ bei der Namenswahl danebengegriffen zu haben, denn er war selten glücklich.
Sicher lag das an uns, sicher. Wir rafften und rafften, Geld, Zeit, uns zusammen, die Kleider, um in den Urlaub zu fahren. Schließlich mussten wir das Raffen so gewohnt gewesen sein, dass es uns nicht mehr wirklich auffiel, uns keine Anstrengung mehr bereitete und immer mehr zu einem Zustand als zu einer Tätigkeit wurde.
Konnte ein Kind so glücklich aufwachsen? Wir wussten es nicht. In unseren Köpfen lag das Kindsein schon so weit zurück, dass nicht mehr als ein fader Nachgeschmack davon geblieben war.
Wir arbeiteten Tage und Nächte, ohne erkennbar voranzukommen, bauten schließlich ein Haus und bekamen Felix. Bei all der Arbeit, die es zu organisieren galt, musste schließlich auch er organisiert werden: Wer fährt ihn wann zur Schule, wann kommen seine Freunde, um wie viel Uhr ist Schlafenszeit? Unsere Tage rasten dahin, bis wir von der Arbeit auf die Arbeit fuhren, bis Felix zu einem weiteren Job geworden war. Sicher konnte das nicht spurlos an ihm vorübergegangen sein.
Als wir also im Flugzeug saßen, war er, wohl vor lauter Überraschung, wie viel Zeit wir plötzlich zusammen verbrachten, vollkommen still, so als könnte jeder Laut, den er von sich gab, auf einen Schlag alles beenden.

Das Ferienhaus, das wir gemietet hatten, war klein und warmes Wasser gab es nur tagsüber. Dafür  jedoch lag es direkt an der Küste und der nächste Nachbar war mehr als einen guten Steinwurf entfernt.
Die Dusche war von mehr Spinnen bewohnt, als man in einem Stück Klopapier hätte zerdrücken können und es dauerte zwei Tage, bis Felix dazu zu bewegen war, sie zu benutzen.
Im Dorf war das Essen teuer, aber die Menschen waren von einer herben, freundlichen Art.
Abends aßen wir zusammen an dem kleinen Holztisch in der Diele frisches Brot und waren uns durchaus bewusst, dass wir uns eigentlich hätten erholen müssen.
Trotzdem- Felix wollte das große Bett im Erdgeschoss und bekam es. Im ersten Stock standen zwei getrennte Betten; wir hätten sie zusammenschieben können, aber unausgesprochen stand der Entschluss im Raum, das nicht zu tun.

Der Tag unseres Strandspaziergangs war der erste, an dem wir allmählich zu begreifen schienen, was Urlaub eigentlich war.
Um den Strand überhaupt zu finden, musste man einen guten Kilometer zerklüftet felsige, moosbewachsene Küste hinter sich bringen, die immer wieder mit kleinen Sümpfen und im hohen Gras versteckten Steinen überraschte.
Sie war mit Felix vorausgegangen zu einem Stück Weideland, dass an die Küste grenzte. Bis heute bin ich mit Verwunderung erfüllt ob der Tatsache, dass Kinder von jeder Art Tier sofort begeistert sind; egal, wie desinteressiert es auch aussehen mag.
Ich suchte langsam meinen Weg durch Moss und Steine, während zu meiner Linken das Meer gegen die Küste brach, als wollte es sie zerschmettern.
Kurz blieb ich an einer kleinen Bucht stehen, wo irgendjemand in mühsamer Arbeit einen kleinen Steg aus Steinen errichtet hatte. Jetzt war er verwittert und eingefallen und sah nicht so aus, als ob dort nochmal ein Boot festmachen würde.
Irgendwann hörte ich Felix´ begeisterte Rufe; er hatte ein altes Haus gefunden, ganz aus Steinen errichtet und zur Hälfte eingefallen, aber dennoch erkennbar.
Sie konnte seine Begeisterung sichtlich nicht teilen, traute dem eingefallenen Gebilde nicht und saß lieber an der Küste, um den Wellen zuzusehen. Ich raffte mich schließlich auf, um mir mit dem Jungen das Gebäude anzusehen. Natürlich war nichts darin als noch mehr Steine, trotzdem war er fasziniert und erkundete jeden Winkel.
Wenn ich die Zeit gehabt hätte, dachte ich in diesem Moment, hätte ich ihn gerne aufwachsen gesehen. So war ich nur ein Zaungast gewesen, hatte ihn zu anderen Menschen gefahren, die ihn für mich erzogen, ihn für mich fütterten, ihm vorlasen, ihm zuhörten.

Wir verließen das Haus, dreckig und erschöpft, als ihm die Fragen ausgegangen waren.
Warum hält das hier? Wo ist die Heizung? Stand hier der Fernseher?
Sie saß immer noch auf einem Stein und sah in die Weite, ohne uns zu beachten.
Auf dem Rückweg hörte ich Musik und versuchte, Felix und Sie zu ignorieren. Es war zu perfekt, wie das Meer auf die Felsen schlug, ich selbst mich in einem Meer aus Gras und Wind befand und die Musik sich nicht einfügte, sondern Teil der Umgebung zu sein schien.
Während meine Füße ihren Weg wie von selbst fanden, Sie unentwegt von rechts auf mich einredete, sah ich nichts anderes, als körperlose Finger auf einer Klaviatur. Sie drückten die Tasten nicht, schlugen sie nicht an, sie schienen sich nur gemeinsam mit ihnen zu bewegen, wenn die Töne es für richtig hielten. Läufe wie Gischt perlten meinen Hals hinunter, Akkorde brachen sich an mir und weichten mich langsam auf, bis ich Angst hatte, in einem der kleinen Moore zu versinken, die überall im hohen Gras versteckt lagen.
Ihr totenblasses Gesicht und ihre Schreie rissen mich plötzlich in die Wirklichkeit     zurück.
Als wäre alles Blut aus ihrem Körper gesogen, stand Sie am Rand der Bucht mit dem kleinen Steg und rief irgendetwas unverständliches hinunter.
Adrenalinbeschleunigt war ich sofort neben ihr und riss die Kopfhörer aus den Ohren.
Die Ebbe hatte das Wasser aus der Bucht gesogen und den schimmlig grünen, mit Algen bedeckten Grund freigelegt. Jetzt sah ich auch, warum Sie so schrie-
Ziemlich in der Mitte der Vertiefung lag der Kadaver irgendeines Tieres, vermutlich ein Schaf. Das Salzwasser hatte Gesicht und Hals bis zur Brust von Fleisch und Haut befreit, sodass die Knochen bleich und glänzend freilagen. Der Schädel grinste aus leeren Augenhölen und mit blankweißen Zähnen; vielleicht darüber, dass die Fleischreste, die den hinteren Teil des Kadavers noch bedeckten, aussahen, als habe man einen löchrigen Sack über das Skelett gestülpt?
Sie rief, ich solle etwas tun, der Junge höre nicht, ich verstand nicht.
Felix stocherte mit einem morschen Stück Holz im Brustkorb des Tieres herum, aus dem ein mattschwarzer Saft in die Algenreste am Boden lief.
Schulterzuckend stieg ich die felsige Böschung auf den Grund der Bucht hinab zu Felix, der begeistert rief, ich solle mir auch einen Stock suchen.
Schließlich tat ich, was von mir erwartet wurde, packte ihn, und trug ihn die Böschung hinauf, den ganzen Weg zurück zum Haus, schweigend.
Dort zog er sich, verständnislos und weinend, in sein Zimmer zurück und kam bis zum nächsten Morgen nicht mehr heraus.
An diesem Abend saßen wir, zum ersten Mal seit bestimmt einem halben Jahr, wieder zu zweit und aßen zu Abend.
„Was war das vorhin?“ fragte Sie nur.
Ich zuckte die Schultern und stellte mir vor, wie es wäre, das Ferienhaus alleine gemietet zu haben. Abends würde ich Filme mit Robert DeNiro anschauen, auf der kleinen Mauer vor dem Haus am Meer sitzen und Musik hören. Nachts würde ich alle Fenster offenlassen, um das Meer zu hören und erst nach Sonnenuntergang schlafen gehen, weil das gesünder ist.
Ich würde über die Steine an der Küste klettern, ausrutschen und mir Haut abschürfen und Mittwochs in den Pub im Dorf fahren, um mit den Einheimischen Fußballspiele anzusehen.
„Du hörst mir nicht zu“ sagte Sie und riss ihr Brot entzwei wie das Schicksal zwei Liebende.
Ich schüttelte den Kopf.
„Es war nur ein totes Schaf.“


Bearbeitete Version:

Ebbe

Der Tag unseres Strandspaziergangs war der erste, an dem wir allmählich zu begreifen begannen, was Urlaub eigentlich war.

Um den Strand überhaupt zu finden, musste man einen guten Kilometer zerklüftet felsige, moosbewachsene Küste überwinden.

Sie war mit Felix vorausgegangen zu einem Stück Weideland, das an die Küste grenzte. Bis heute bin ich überrascht, dass Kinder von jeder Art Tier sofort begeistert sind.

Ich suchte langsam meinen Weg durch Moos und Steine, während zu meiner Linken das Meer gegen die Küste brach, als wollte es sie zerschmettern.

Kurz blieb ich an einer kleinen Bucht stehen, wo irgendjemand in mühsamer Arbeit einen kleinen Steg aus Steinen errichtet hatte. Jetzt war er eingefallen und sah nicht so aus, als ob dort nochmal ein Boot festmachen würde.

Irgendwann hörte ich Felix´ begeisterte Rufe; er hatte ein altes Haus gefunden, ganz aus Steinen errichtet und zur Hälfte eingestürzt, aber dennoch erkennbar.

Sie konnte seine Begeisterung sichtlich nicht teilen,interessierte sich nicht für die Ruine und saß lieber an der Küste, um den Wellen zuzusehen. Ich raffte mich schließlich auf, um mir mit dem Jungen das Gebäude anzusehen. Natürlich war nichts darin als noch mehr Steine, trotzdem war er fasziniert und erkundete jeden Winkel.

Warum hält das hier? Wo ist die Heizung? Stand hier der Fernseher?

Wir verließen das Haus, dreckig und erschöpft, als ihm die Fragen ausgegangen waren. Wenn ich die Zeit gehabt hätte, dachte ich in diesem Moment, hätte ich ihn die letzten Jahre gerne aufwachsen gesehen. So war ich nur ein Zaungast gewesen, hatte ihn zu anderen Menschen gefahren, die ihn für mich erzogen, ihn für mich fütterten, ihm vorlasen, ihm zuhörten.

Sie saß immer noch auf einem Stein und sah in die Weite, ohne uns zu beachten.

Auf dem Rückweg hörte ich Musik und versuchte, Felix und Sie zu ignorieren.

Ihr totenblasses Gesicht und ihre Schreie rissen mich plötzlich in die Wirklichkeit zurück.

Als wäre alles Blut aus ihrem Körper gesogen, stand Sie am Rand der Bucht mit dem kleinen Steg und rief irgendetwas Unverständliches hinunter.

Ich war sofort neben ihr und riss die Kopfhörer aus den Ohren.

Die Ebbe hatte das Wasser aus der Bucht gesogen und den schimmlig grünen, mit Algen bedeckten Grund freigelegt. Jetzt sah ich auch, warum Sie so schrie-

In der Mitte der Vertiefung lag der Kadaver irgendeines Tieres, vermutlich eines Schafs. Das Salzwasser hatte Gesicht und Hals bis zur Brust von Fleisch und Haut befreit, sodass die Knochen bleich und glänzend freilagen. Der Schädel grinste aus leeren Augenhölen und mit blankweißen Zähnen; die Fleischreste, die den hinteren Teil des Kadavers noch bedeckten, sahen aus, als habe man einen löchrigen Sack über das Skelett gestülpt.

Sie rief, ich solle etwas tun, der Junge höre nicht. Ich verstand nicht.

Felix stocherte mit einem morschen Stück Holz im Brustkorb des Tieres herum, aus dem ein mattschwarzer Saft in die Algenreste am Boden lief.

Schulterzuckend stieg ich die felsige Böschung auf den Grund der Bucht hinab zu Felix, der begeistert rief, ich solle mir auch einen Stock suchen.

Schließlich tat ich, was von mir erwartet wurde. Ich packte ihn, und trug ihn die Böschung hinauf, den ganzen Weg zurück zum Haus, schweigend.

Dort zog er sich, verständnislos und weinend, in sein Zimmer zurück und kam bis zum nächsten Morgen nicht mehr heraus.

An diesem Abend saßen wir, zum ersten Mal seit bestimmt einem halben Jahr, wieder zu zweit und aßen zu Abend.

„Was war das vorhin?“ fragte Sie nur.

Ich zuckte die Schultern und stellte mir vor, wie es wäre, das Ferienhaus alleine gemietet zu haben. Abends würde ich Filme mit Robert DeNiro anschauen, auf der kleinen Mauer vor dem Haus am Meer sitzen und Musik hören. Nachts würde ich alle Fenster offenlassen, um das Meer zu hören und erst nach Sonnenuntergang schlafen gehen, weil das gesünder ist.

Ich würde über die Steine an der Küste klettern, ausrutschen und mir Haut abschürfen und mittwochs in den Pub im Dorf fahren, um mit den Einheimischen Fußballspiele anzusehen.

„Du hörst mir nicht zu“ sagte Sie und riss ihr Brot entzwei.

Ich schüttelte den Kopf.

„Es war nur ein totes Schaf.“

Demütigungsfernsehen

August 8, 2009

Vom traurigen Paradoxon deutschen Unterhaltungsfernsehens

Grundsätzlich ist bekannt, dass ich mich gerne schonmal über unser sg. „Rundfunkwesen“ (sperriges Wort) auslasse. Immer wieder jedoch kann ich nicht anders, als irgendwie drüber zu schreiben, weil im Fernsehen tagtäglich Vorgänge zu betrachten sind, die jeden vernunftbegabten Zuschauer zwangsläufig am Intelligenzquotienten oder zumindest der zweifelhaften Agenda der Fernsehmacher zweifeln lassen müssten.

Wie immer bricht der Konjunktiv mir den Rücken, weil die einzige meiner Ansicht nach zutreffende Fernsehkritik sich in Medien findet, die den eigentlichen Konsumenten von Pro7, RTL und Konsorten nicht interessiert.

Schon vor Jahren dachte man, nach damaligen Vorstellungen, es seien neue Niveau- Tiefpunkte im deutschen Fernsehwesen eingetreten, die wirklich nur noch mit einem Höchstmaß an Disziplin und Selbstverleugnung zu unterbieten seien.

Auf RTL wurde der Zuschauer zunächst mit dem sg. Helptainment konfrontiert, dem Wolf im Schafspelz, wie sich in jedem Fall zeigen sollte, dass aber immer hin noch der kleinen Betty Sue geholfen hatte (link).

Das Prinzip „Helptainment“, wenn auf meiner Seite auch schon im Übermaß erläutert, hier noch einmal in Kurzform: Im Fernsehen helfen berühmte, gütig lächelnde Menschen anderen Menschen.

Klingt harmlos? Essentiell für das Konzept ist eine tiefgreifende soziale Diskrepanz sowohl zwischen dem Moderator der Show und den „Patienten“, als auch gerade zwischen diesen und der Zuschauerschaft. Dabei wird auf den Aha- Moment „Geil, wie Scheiße es denen geht, so mies ist mein Leben ja garnicht“ abgezielt, was vor allem in Formaten wie „Die Supernanny“ wirklich gut funktionierte und auch zum Quotenfang wurde.

Was allerdings sich bereits seit einigen Jahren andeutete, in diesem Jahr aber vor allem auf Pro7 mit brachialer Wucht zu Tage tritt kann und muss nicht nur als die konsequente Weiterentwicklung dieser Konzepte verstanden werden, sondern sollte dem aufgeklärten Menschen auch als Folgendes bewusst sein: Paradoxes Zweiklassenfernsehen, dass vor allem durch ein Höchstmaß an Chauvinismus brilliert.

Hier Beispiele zu finden, fällt nicht schwer, zunächst allerdings sollte man die gesamte Genese dieses entwürdigenden Spektakels betrachten, um wirklich hinter die Kulissen blicken zu können.

Schon von Berufswegen der dauernden Angaffung fleischgeiler Alt- 68er (vielen Dank an Quappe für diesen wunderbaren Begriff) ausgesetzt, entwickelte Powerfrau und selbsternanntes Top- Model (ein Begriff, der in der Modebranche selbst übrigens vor allem seit der Fernsehshows in Verruf geraten ist) Heidi- Klum die Show „Germanys next Topmodel“. Natürlich nicht aus Eigeninitiative, schließlich ist das hier Deutschland, sondern nach dem Vorbild der etwa gleichnamigen amerikanischen Vorlage.

Die allabendliche Fleischbeschau wurde schließlich ein solcher Quotenrenner, dass es nur konsequent geschienen haben musste, das Konzept weiterzuentwickeln und – unter allerlei Vorwänden- jeden Tag zur Anwendung zu bringen.

Dem allem liegt eine einfache Wahrheit zu Grunde:

Männer mögen Ärsche.

Da könnt ihr mir keinen Strick draus drehen, gebts zu, es ist nunmal so.

Was mögen Männer noch außer Ärschen? (In diesem Fall sind es übrigens nicht nur Männer, sondern auch gelangweilte HartzIV-Hausfrauen, selbsternannte Gangster- Rapper und 14- jährige Mädels, deren erklärtes höchstes Ziel der Einzug in Hugh Hefners Villa ist.)

Männer (und alle anderen genannten, und hier kommt das Prinzip „Help- tainment“ zur Anwendung) mögen es, sich über andere stellen zu können.

Jetzt scheint es allerdings so, als würde seit jüngster Zeit, namentlich diesem Frühjahr, Pro7s gesamtes Tagespogramm aus nichts weiter als der An- den- Mann- bringung dieser beiden Goldesel zu bestehen.

Vor allem die Spätnachmittagsshow „taff“ geizt nicht mit der stumpfen Objektivierung von Frauen, die sich vor der tribunalsmäßigen Jury vollkommen unbekannter spätpubertierender Vorstadtmachos in immer entwürdigenderen Ritualen bloßstellen müssen. Eines der besten Beispiele: In der Unterkategorie „hot five“ des Magazins „taff“ müssen fünf Bewerberinnen (auf was auch immer), streng ausgewählt nach Aussehen und möglichem Konfliktpotential, ihr Äußeres für drei maritim bekleidete Halbstarke feilbieten und sich dann in der Reihenfolge anordnen, in der sie glauben, von ihren hühnerbrüsternen Traumprinzen bewertet zu werden. Wer sich selbst richtig wertet (hässlich/ schön) bekommt „Punkte“. Wozu die gut sind? Keine Ahnung.

Aber hatte ich schon erwähnt, dass das ganze natürlich in der Kategorien „Gesicht, Brüste, Hintern“ gewertet wird? Fast wie beim Skihochsprung also, ganz seriös, oder- der vielleicht naheliegendere Vergleich- beim alljährlichen Innereien- Wettessen in der bayrischen Provinz.

Ähnlich, in Vollendung allerdings, obwohl mit genauso unbekannten F-Promis, geht das ganze bei „Sommermädchen“ vonstatten; einer Sendung, die direkt einer Reportage aus dem Münchener – Rotlichtmilieu entstammen könnte und gerechterweise von einem Rezensenten des Spiegel.de Online- Magazins als „neue Dimension des Demütigungsfernsehens“ tituliert wird.

Natürlich habe ich meine Überschrift nicht umsonst gewählt, der geneigte Leser sollte sich spätestens jetzt fagen: “wtf soll das mit Paradoxen zu tun haben?”

Traurigerweise stellt sich die Frage nach der Rechtfertigung meiner Überschrift in noch anderer Art und Weise, denn wer stellt die Hauptzuschauerschaft von „taff“? Zumindest zum Großteil Frauen.

Der tittengeile Macho, der bei „Sommermädchen 2009“ anderthalb Stunden seine kümmerliche Palme befächert ist gottseidank, obwohl oft bereits angenommen, noch nicht Realität, daher muss man auch hier davon ausgehen, dass Frauen die überwiegende Zuschauerschaft stellen.

Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen:

Handelt es sich dann überhaupt um ein Paradoxon? Wird diese demütigende Objektivierung, die Pro7 hier in solch entwürdigenden Ritualen zelebriert, von der weiblichen Zuschauerschaft gewünscht? Eine Frage, die ich nicht beantworten kann und deren Beantwortung allein der weiblichen Leserschaft dieses Blogs (sollte sich mal ein solches Wesen hierher verlaufen) obliegt.

Auch ein weiteres Beispiel liefert „taff“:

In bis zur Vollendung übertriebener Seriösität befragt ein Reporterteam auf Malle offenbar betrunkene Jugendliche mit Scherzfragen, die diese natürlich falsch beantworten.

Schon in Anbetracht der Fragestellung der Reportage („Macht Mallorca dumm?“) ist klar, dass hier nichts weiter betrieben werden soll, als die Stigmatisierung des besoffenen Malle- Urlaubers in Höchstform.

Natürlich kann keine der total angesoffnene Schnapschargen auch nur irgendeine der lächerlichen Fragen beantworten, und spätestens, als der verkippte Männerchor im Hintergrund „Wir sind dumm! Saufen!“ zu skandieren beginnt, sollte es einem eigentlich hochkommen.

Wie die Frage: Wer wird sich diese Reportage mit Freuden angesehen haben? Die Antwort, und was sich daraus ergibt, will ich an dieser Stelle euch überlassen.

Was übrigbleibt, ist die Frage, ob vielleicht man selbst, als Blog- schreibender, bücherlesender Uber- Nerd (letzteres zumindest in Augen der Pro7 Zuschauerschaft [„Bücher, alter, was bist dun fürn Opfa?“]) hinter der Zeit ist und nicht lieber selbst anfangen sollte, FHM zu lesen, einen Bausparvertrag für ein Haus auf Malle anzulegen und die verbliebene Zeit mit dem Ab- Workout von Jason Statham zu verbringen.

Der wurde nämlich von einem Ex- Elite- Soldaten trainiert.

Stand zumindest in der FHM.

Turbostaat- Harm Rochel

Juli 28, 2009

Guten Tag ich bin Leeroy Chang,
mein Sohn macht Filme in der USA.
Und ich werd morgen tot sein
und vergessen sicher auch –
ein Held war ich wirklich nie.
Es lastet alles auf den Kindern
wir gehen sterben in unserm Haus.
Verdient hab ich das sicher nich
und entscheiden kann das auch
wer bleiben will
aber niemals ich.

***
Leb doch mehr wie deine Mutter
leb bloß nicht wie ich
leb doch mehr wie deine Mutter
leb bloß nicht wie ich
***

Ach Hallo- ich bin Heiner Rust
mein Sohn wurd gestern abgeholt.
Sie müssen ihn beschützen
-am meisten vor sich selbst-
kann ihm nicht helfen
bin morgen tot.

***
Leb doch mehr wie deine Mutter
leb bloß nicht wie ich
leb doch mehr wie deine Mutter
leb bloß nicht wie ich
***

***
Leb doch mehr wie deine Mutter
leb bloß nicht wie ich
leb doch mehr wie deine Mutter
leb bloß nicht wie ich
***

Ja leb doch
Ja leb doch
Ja leb doch

Anmerkung: Lyrics by Turbostaat, Interpunktion by me.

Gottkomplex

Juli 25, 2009

Gottkomplex

Irgendjemand hatte Sinner einen Kittel übergezogen.

Der kleine Raum, in den man ihn gebracht hatte, war nicht größer als vielleicht sein Schlafzimmer, hatte gefliesten Boden und in seiner Mitte stand ein stählerner Tisch.

Beunruhigt sah er sich immer wieder um, er hatte doch keine Ahnung, was man eigentlich von ihm erwartete.

Kimmerle und ein kleiner, feister Mann, der sich als Heusch vorgestellt hatte, standen mit erwartungsvollen Mienen schweigend hinter ihm und legten ihm schließlich eine hellgrüne Schürze um.

Endlich, es hätte wenige Sekunden, aber auch Stunden gedauert haben können, wurde durch eine andere Tür ein Mann, offenbar schlafend, in den Raum geschoben und auf den Tisch gelegt.

Sinner betrachtete ihn mit einem gewissen Unbehagen; er war durchschnittlich gebaut, musste mittleren Alters, etwa 40 sein und hatte eine einsetzende Halbglatze.

Ein kleiner Strang gräulich schwarzen Haars wand sich aus seinem Schritt über den Bauchnabel bis auf seine Brust- Sinner stellte fest, dass der Mann nackt war.

Wieder sah er sich um- wer auch immer den Schlafenden in den Raum gebracht hatte, war schon verschwunden. Aus dem Augenwinkel konnte er Kimmerle, einen großen, hageren Mann, lächeln und sich durch seinen Kinnbart streichen sehen.

“Was.. was soll ich…?”

Sinner ließ den Satz unbeendet und die kleine feiste Gestalt in seinem Rücken verpasste ihm einen kräftigen Stoß, sodass er auf den Tisch zutaumelte und durch ein sehr helles Licht geblendet wurde, dass direkt darüber angebracht war.

Es fiel ihm ein Satz verschiedenster, bis auf das letzte Staubkorn gereinigter Werkzeuge auf, die auf einem kleinen stählernen Tablett neben dem Tisch lagen.

“Nur zu” vernahm er eine quäkende Stimme und war sich sicher, ohne zu wissen woher, dass es Kimmerle gewesen war.

Sinner räusperte sich, fuhr sich über das stoppelige Kinn und sagte so bestimmt, wie es ihm möglich war: “Es tut mir leid, aber ich glaube, ich würde lieber gehen.”

Hinter ihm zuckte Kimmerle die Schultern und Heusch sagte mit tiefer Stimme garnichts.

In diesem Moment begriff Sinner, dass er nicht frei war.

Er holte tief Luft und stütze sich auf den Tisch.

“Was soll ich denn tun? Entschuldigen Sie, ich weiß nicht, warum man mich hergebracht hat.”

“Wir doch auch nicht” sagte Kimmerle “Wir doch auch nicht.” und nahm sich ein Bier aus einem kleinen Kühlschrank neben der Tür.

Wenig überzeugt nahm Sinner einen Bohrer von eindrucksvoller Größe von dem Stahltablett, wog ihn einige Sekunden in der Hand und legte ihn wieder zurück.

Der Liegende regte sich nicht.

Sinner nahm ein Skalpell -zumindest glaubte er, dass es eines war- und strich mit der stumpfen Seite behutsam über das Brustbein des Schlafenden.

Hinter ihm sog Kimmerle scharf Luft ein, erschreckt hob Sinner das Skalpell, Schweiß rann ihm über die Stirn. “Was, stimmt etwas nicht?”

“Wissen wir nicht, Sinner, wissen wir nicht.” sagte Kimmerle und trank laut hörbar einen Schluck Bier.

Schließlich, es kam ihm schon so vor, als hätte er Ewigkeiten regungslos am Tisch gestanden, verließ Heusch den Raum und ließ Kimmerle und ihn allein in der Stille zurück.

“Ich denke, ich werde ihn aufschneiden.” sagte Sinner schließlich und griff das Skalpell fester.

“Was sind sie doch für ein roher Mensch.” sagte Kimmerle nur und trank noch einen Schluck Bier.

Und Sinner begriff, dass er gepunk´d worden war.