The Building- Das Gebäude

September 2, 2009

Sie sieht gut aus, keine Frage. Das Intro, ca. 30 Minuten, die mit dem Rest des Films nichts zu tun haben, aber irgendwie zur Vorbereitung dienen sollen, zeigt sie mit ihrer Familie, den Scherwegers oder Köttlers oder wie immer sie heißen mögen, wie sie am Tisch sitzen und Gulasch essen. Meist gibt es zum Nachtisch Vanillepudding oder Pfannkuchen, aber Damien (ausgesprochen Däimienn), der rebellische 12- jährige, ihr Sohn aus erster Ehe, haut schon beim Hauptgang ab, weil es wieder Streit gegeben hat. Soweit alles ganz gut, irgendwann wird die Familienidylle dann auch langweilig, und gottseidank nimmt man uns die Qual ab, Sie, wir wollen sie der Einfachheit mal Susi Scherweger nennen, auch noch bei der Arbeit (wahrscheinlich Reporterin, was „starke Frauen“ auch immer so machen…) beobachten zu müssen.

Susi Scherweger ist auf dem Weg zur Arbeit, als plötzlich – KRACHPOW- ein lebensgroßer Boeing 747 in die Nebenstraße einschlägt. Ja Kacke, was ist jetzt los? Susi schreit, kreisch, rennt, rettet irgendein Blag aus einer halbeingestürzten U- Bahn- Station und schließlich die anderen Menschen der Stadt, nachdem Seuchen, mindestens ein ausgebrochener Vulkan, Angriffe einer konzentrierten terrorristischen Macht und die pure Gedankenkraft eines 2018 Jahre alten Zen- Meisters aus Timbuktu über Hinterrindsbüttel hereingebrochen sind. Zum Abspann Ernüchterung, ein fader Nachgeschmack, vielen Dank dass sie eineinhalb Stunden zugesehen haben, hier sind ein Becher Spucke und eine alte Radkappe, aber wofür die gut sein soll, fragen sie wen anders.

Ihr habt bis jetzt keinen Schimmer, worauf ich hinauswill? Das bestätigt nur, dass ihr noch bei Sinnen und nicht Teil einer angeblichen „Quote“ seid, die sich allabendlich, gerade im Sommer, sogenannte „Event- Movies“ reinzieht, teure Fernsehproduktionen mit Plot, den auch ein blinder Affe mit Stock geschrieben haben könnte.

Es ist ja ganz im Ernst kaum auszuhalten, dass wir in einem Land leben, dessen Bevölkerung durch solche Schmazonken schon zufriedenzustellen ist- obgleich sie (und das ist schon traurig genug) immerhin eine Abwechslung zur Talkshow und Serienlandschaft der Fernsehanstalten darstellen.

Besonders Pro7 hat sich das „Eventfernsehen“ in seiner Thrilltime gerade auf alle verfügbaren Mützen und Banner geschrieben, deshalb hier von mir für euch (bittesehr, dankesehr) das große „Wie entlarve ich einen Eventfilm“- Notfallkit. Solltet ihr Montags/ Samstagsabends den Fernseher einschalten und folgende Dinge feststellen, schaltet um, aus, oder wenigstens ab:

1) Der Plot: Dreigeteilt. Intro: Familienidylle. Der Protagonist ist entweder ein schlechter Vater oder eine starke Frau, selten aber beides, weil das im Feierabendfernsehen nicht gut ankommt. Nach einer halben Stunde einschläferndem Gelalles über Arbeit und Däimienns Probleme passiert endlich was: Menschen sterben, und zwar cineastisch und in großer Anzahl. Irgendwie hört dann auch alles wieder auf.

2) Der Schluss: Ein „Eventmovie“ hört immer wiefolgt auf- (Dramatische Musik mit optimistischem Grundton, gespielt von Streichern des Schulorchesters von Niederkrachingen) Kamerafahrt über eine zerrissen und abgekämpft aussehende Menschenmenge, die korrekterweise mindestens einen Schauspieler mit Migrationshintergrund enthält (oder zumindest einen Schauspieler, der jemanden mit Migrations… und so weiter). Der Protagonist steht im Vordergrund und sieht grüblerisch in die Ferne- was da wohl kommen mag?

3) Die Musik: „Eventmovies“ sind immer entweder mit Bummkrachmusik unbekannter Marke, dramatischen Streicher- Gegniedel oder (sehr schlimm) mit aktuellem Charts- Grabbel unterlegt. Während also im Hintergrund Daughtry darüber singen, dass zwar alles irgendwie Scheiße ist, aber sie das schon irgendwie schaffen werden (Linkin- Park- Coverband- Alarm!), erklimmt der Held einen Berg ausgebrannter Autos um einen schreienden Fötus aus dem Leib einer eingeklemmten Mutter zu zerren, die WIRKLICH NUR AUF EINEM BERG AUSGEBRANNTER AUTOS GEBÄREN KANN, WEIL IHR VERFICKTES KLEID FESTKLEMMT HERGOTTNOCHMAL! HASTENICHGESEHN ODERWAS? KLEMMT FEST, TROTTEL! KANNSENIXMACHEN, MUSSTE RAUSZERREN JETZT- manchmal überkommt mich das so. Tschuldigung.

4) Der Name.

Mit Abstand der wichtigste Absatz dieses Artikels und in Form einer hübschen Liste vorhanden, die natürlich für selbstständige Vervielfältigung und Fortführung freigegeben ist. Eventmovie- Titel setzen sich immer – IMMER (IMMER!) aus einem englischen Substantiv und der anschließenden deutschen Übersetzung zusammen und betiteln den eigentlichen Protagonisten des Films- die Katastrophe. Alternativ: Englisches Substantiv mit deutscher Erläuterung/Unterbetitelung (einige der folgenden Beispiele sind frei erfunden, aber nicht weniger lächerlich als aktuelle „Eventmovie“- Titel. Wer die richtigen findet, bekommt nen Keks):

– The Building: Das Gebäude

– Crashpoint: 90 Minuten bis zum Absturz

– The Killing: Die Tötung

– The Reaping: Die Ernte

– The Screen: Der Bildschirm

– The Cup: Die Tasse

– Volcano: Flammendes Inferno

– Earthquake: Die Erde bebt

– The Keyboard: Die Tastatur

– The Roberto Blanco: Gute-Laune- Inferno

– The Crane: Der Gehstock

– The Phone: Das Telephon

– The Mikrowellengericht: In 14 Minuten wirds heiß!

– The Lasagna: Das Nudelinferno von Neubröck- Schwallingen

– 90 Minutes: 80 Minuten

– The Hour: Wie viele Minuten bleiben dir noch?

– The Storm: Wie lange kannst du blasen?

Ich denke, das Prinzip ist klar. Wappnet euch Freunde. Und solltet ihr wirklich mal ein Eventmovie schauen: Nehmt nur die Radkappe, ich glaube, in dem Becher war wirklich Spucke drin.

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Beppo der Clown fährt ohne Arme Slalom- Ski

(Er hat die Arme nicht etwa auf den Rücken gebunden- er hat keine Arme. Und ja, sein Überleben ist nicht von dringlicher Notwendigkeit für unsere Gesellschaft)

Heute wieder eine großartige Entdeckung im Internet gemacht:

Sensationeller Hund

Mischling pinkelt – und läuft dabei auf den Vorderpfoten

Da fragt man sich doch: Wird der Mensch überflüssig? Ist das das Ende der Evolution, der Beginn einer neuen Spezies? Wenn jetzt schon irgendso ein Straßenköter scheinbar mühelos alles beherrscht, was die Menschheit sich in Jahren der Forschung und der genetischen Auslese erarbeitet hat (Die Fähigkeit, im Kopfstand zu pinkeln), warum dann überhaupt noch weitermachen?

Diese Griffe am Klo, damit ich auch zu Hause im Kopfstand kann, haben ein Vermögen gekostet, soll ich jetzt auch noch ein Podest anschaffen, wenn die Verwandschaft mal wieder ihren Köter anschleppt?

Nein Danke Freunde, das geht zu weit.

Habe das Klo an die Decke gehängt.

Straßenköter: 0

Ich: 1

Er will ja nicht so richtig, unser deutscher Wahlkampf und so richtig wählen will man ja eigentlich auch nicht. Viel zu oft musste man in diesem Zusammenhang schon das wirklich inflationär gebrauchte Wortspiel „WahlKRAMPF statt WahlKAMPF“ lesen, was nur beweist, dass Journalisten höchstens genausoviel Mensch sind wie eben Politiker.

Die Lösung für die ganze Misere hat indess Popsternchen Clueso parat:

„In der Politik fehlen die lockeren Typen.“ sagte er jüngst dem Spiegel, der, geradezu in eine Art hysterische Euphorie verfallend, aus diesem Sportpalast-tauglichen Satz einen Aufmacher machte.

Liebe Freunde, warum noch wählen gehen, wenn eh alles aussichtslos ist? Es fehlen einfach die lockeren Typen.

Ich führe diesen Blog in der strikten Annahme, dass jeder meiner Leser ein reges Interesse an schicksalhaften Wendungen in meinem Privatleben zeigt- hier ist er also (egal ob ihrs wollt oder nicht)- der große „Juhu, endlich Jobwechsel“- Artikel!

Wer diesen Blog einige Zeit verfolgt hat, weiß, dass ich mich vor mittlerweile fast zwei Jahren notgedrungen in einen Job knechten ließ, in dem es vor allem um eins ging: Gemüse.

Mit einem grandiosen Wochenverdienst von 21€ Spitze, der immerhin ausreichend war, um meine Fahrtkosten bis zum Arbeitsplatz zu decken, durfte ich mich dreimal in der Woche dazu erniedrigen, je eine Stunde Kisten voll gut durchgereiftem Gemüse aus grünen Kisten in andere grüne Kisten zu laden, um sie später in eine große weiße Kiste zu packen (Monatelange schweißtriefende Nachforschungen haben gezeigt: Es handelt sich um das Kühlhaus. Das erklärt einiges.). Natürlich entsprach das intellektuelle Niveau dieses Jobs nicht ganz meinen optimal- Erwartungen, aber „was solls“, dachte ich, wird so schlimm nicht sein.

War es doch.

Als hätte mir jemand ein Schild auf die Stirn geklebt, war von Anfang an irgendwie klar, dass ich der absolute Oberknecht in dem Laden war, entsprechend fiel auch mein Tätigkeitsfeld aus. Über die Monate entwickelten meine Kolleginnen ein sowohl psychologisch als auch taktisch auf höchstem Niveau ausgefeiltes System, einfach uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuunendlich langsam zu arbeiten, um mich so dazu zu bringen, ihre Jobs einfach auch noch zu machen. Dies müssen sie in dem Glauben getan haben, ich wolle bestimmt auch irgendwann nochmal nach Hause, würde also irgendwann anfangen es einfach hinzunehmen. War ja dann auch so, bis ich vor kurzem auf dem Trichter gekommen bin, im Gegenzug einfach auch uuuuuuuuuuuuuuuuuuuuunendlich langsam zu arbeiten.

Wer also bis diesen Freitag abend 7 Uhr in das Kaff in dem ich arbeite fährt, wird im dortigen Gemüseladen zwei Gestalten entdecken. Beide unterscheiden sich zunächst nur äußerlich und bewegen sich so langsam, dass man wahrscheinlich einige Minuten warten müsste, um überhaupt noch Bewegung zu erkennen. Letzten Endes ergebe ich mich ja dann doch meistens, aber wenigstens ein kleiner Triumph muss doch errungen werden, sonst geht irgendwann die Selbstachtung flöten. Immerhin- jetzt ist alles vorbei.

Ich kann zurückblicken auf, nicht auf ein Jahr, nicht auf mehr als ein Jahr, sondern auf eine Ära- Die Gemüse- Ära, in späteren Geschichtsbüchern wahrscheinlich als „Kolrabi- Zeitalter“ oder das „Jahrhundert der Kiwi“ bezeichnet.  Ich blicke zurück auf Abende voller Freude, als Kollegen sich in kameradschaftlicher Manier jauchzend Chicoree zuwarfen und über das satte grün der Mini- Salatgurken zu €-,79 frohlockten. Auf nette Menschen in blitzenden Sportwagen, die sich auch eine Viertelstunde nach Ladenschluss noch erbarmten, uns noch „schnell zwei Milliarden Kumquats“ oder „vielleicht noch eben eine halbe Cocktail- Tomate“ abzunehmen, damit das arme Fußvolk auch nicht am Hungertuch nagen muss. Ich blicke zurück auf Kolleginnen mit ulkigen Eigenheiten, zB. eine, die jeden Satz mit „oder“ oder „nichwahr?“ beendet und erst fortfährt, wenn sie von mir bestätigt worden ist; eine, die zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit „so“ sagte, in einem Tempo von ungefähr 2s/m (so´s pro Minute), ach ja. Irgendwann werden wir alle auf diese großartige, diese umwerfende Zeit zurückblicken, als wir noch in der guten mittelgrünen Reife unseres Lebens steckten und wir werden uns sagen: „Teufel ja, dieser Raiden, das mit dem Gemüse, da macht dem keiner was vor.“

Wie dem auch sei, jetzt arbeite ich bei der DPD, die neue Artikelüberschrift für arbeitsbezogene Sachen könnte ungefähr „fiep- fiep- Storno“ lauten, was ziemlich charakteristisch ist für das, was ich da mache:

Kisten einscannen.

Ob mans glaubt oder nicht, dass ist eine hochkomplexe Tätigkeit, die das Kurzzeitgedächtnis eines gut trainierten Memory- Weltmeisters erfordert, dafür im Gegenzug aber ungefähr so anstrengend ist wie zwei Stunden Call of Duty 4 im Multiplayer- nicht ganz anforderungslos also und auf jeden Fall wesentlich besser bezahlt. Sollte also jemand von euch in nächster Zeit ein Paket verschicken, muss er damit rechnen, dass es eventuell durch mein „Fiep- Fiep“ – dingens läuft- expect the unexpected.

Ich werde sie wohl nie ganz hinter mir lassen, die Kisten.

Die Autobahn überleben-

August 15, 2009

Ein kurzes Überlebenshandbuch ohne Elke Heidenreich

Recht habt ihr. Und genau deshalb werde ich, gesegnet mit der Weisheit eines mindestens 7000 Jahre alten Mannes, euch nun einige wichtige Tipps geben, wie ihr die Fahrt in den Urlaub (und wieder zurück) am besten überlebt.

Das ganze gliedert sich in zwei Teile: Zum einen euer

1) Survival- Kit, also was ihr unbedingt braucht

zum zweiten die

2) L.d.v.F.d.u.z.T.o.S.f.w. (Liste der verhängnisvollen Fehler, die unweigerlich zum Tod oder Schlimmerem führen werden).

Das Survival Kit

Wollt ihr eine mindestens 8 stündige Autofahrt gesunden Körpers und Geistes überstehen, brauch ihr folgende Dinge UNBEDINGT:

1) Auf dem Beifahrersitz/der Freundin/im Getränkehalter zu positionieren:

RedBull, irgendein koffeinloses Getränk nach Wahl, das aber nicht besonders gut schmeckt (am besten stilles Wasser), Snickers.

2) Im CD- Wechsler/ auf dem Beifahrersitz/ dem Beifahrer bereitzuhalten:

Eine CD- Sammlung mit Titeln, die ihr auch wirklich hört, möglicherweise Hörbücher (Mindestdauer: Hin- und Rückfahrt)

3) Eine leere Flasche, mindestens 1l.

4) Einen Schraubenzieher

Ha! werdet ihr sagen, auf den Kram kann ich doch gut verzichten, der soll doch mal labern. Es folgt die L.d.v.F.d.u.z.T.o.S.f.w. (Liste der verhängnisvollen Fehler, die unweigerlich zum Tod oder Schlimmerem führen werden), die euch genauestens demonstriert, warum dem nicht so ist:

Die L.d.v.F.d.u.z.T.o.S.f.w. (Liste der verhängnisvollen Fehler, die unweigerlich zum Tod oder Schlimmerem führen werden)

Fehler 1:

Survival Kit nicht dabei. Mögliche folgen: – Ihr steht im Stau. Ihr verhungert/ verdurstet

– Es dauert mal wieder länger, aber ihr habt kein Snickers. Siehe mögl. 1.

– Ihr steht im Stau/ der Beifahrer labert, ihr schlaft ein (RedBull fehlt)

Fehler 2:

Falsches Survival Kit mitgenommen:          – Die Gummipuppe sieht zwar lustig aus, aber ihr könnt sie nicht essen.

– Das Unversalmesser lässt euch zwar bedrohlich aussehen, aber „Großstadtdschungel“ ist leider nur eine Metapher.

Fehler 3:

Cd- Sammlung vergessen:                                – Versuch…die…Finger…ruhigzuhalten…neeeein- zu spät. Du hast das Radio angestellt und Silbermond, Daugthry und die Söhne Mannheims schmelzen langsam, aber unaufhaltsam dein Hirn. Niemand kann ohne eigene Musik lange seinen inneren Roberto Blanco im Zaum halten, glaubt mir.

Fehler 4:

Leere Flasche vergessen:                               – Du stehst im Stau und hast zu viel getrunken. Kein weiterer Kommentar.

Fehler 5:

Du hast den Schraubenzieher vergessen: – Absolut verhängnisvoll. Selbst, wenn die CD- Sammlung zuhause geblieben ist, der Schraubenzieher wäre deine letzte Waffe gegen den inneren Roberto Blanco gewesen. Mit ihm hättest du die Knöpfe deiner Musikanlage raushebeln können (dagegen wäre selbst der gutgelaunte Alleinunterhalter machtlos gewesen). Jetzt stampfen die Hans&Hans und irgendein angetrunkener Nachtmoderator siegessicher durch deinen Gehörgang. Operation „verbrannte Erde“ hat begonnen.

(Alle Fehler und Auswirkungen sind beliebig kombinierbar. Dankt mir später.)

Demütigungsfernsehen

August 8, 2009

Vom traurigen Paradoxon deutschen Unterhaltungsfernsehens

Grundsätzlich ist bekannt, dass ich mich gerne schonmal über unser sg. „Rundfunkwesen“ (sperriges Wort) auslasse. Immer wieder jedoch kann ich nicht anders, als irgendwie drüber zu schreiben, weil im Fernsehen tagtäglich Vorgänge zu betrachten sind, die jeden vernunftbegabten Zuschauer zwangsläufig am Intelligenzquotienten oder zumindest der zweifelhaften Agenda der Fernsehmacher zweifeln lassen müssten.

Wie immer bricht der Konjunktiv mir den Rücken, weil die einzige meiner Ansicht nach zutreffende Fernsehkritik sich in Medien findet, die den eigentlichen Konsumenten von Pro7, RTL und Konsorten nicht interessiert.

Schon vor Jahren dachte man, nach damaligen Vorstellungen, es seien neue Niveau- Tiefpunkte im deutschen Fernsehwesen eingetreten, die wirklich nur noch mit einem Höchstmaß an Disziplin und Selbstverleugnung zu unterbieten seien.

Auf RTL wurde der Zuschauer zunächst mit dem sg. Helptainment konfrontiert, dem Wolf im Schafspelz, wie sich in jedem Fall zeigen sollte, dass aber immer hin noch der kleinen Betty Sue geholfen hatte (link).

Das Prinzip „Helptainment“, wenn auf meiner Seite auch schon im Übermaß erläutert, hier noch einmal in Kurzform: Im Fernsehen helfen berühmte, gütig lächelnde Menschen anderen Menschen.

Klingt harmlos? Essentiell für das Konzept ist eine tiefgreifende soziale Diskrepanz sowohl zwischen dem Moderator der Show und den „Patienten“, als auch gerade zwischen diesen und der Zuschauerschaft. Dabei wird auf den Aha- Moment „Geil, wie Scheiße es denen geht, so mies ist mein Leben ja garnicht“ abgezielt, was vor allem in Formaten wie „Die Supernanny“ wirklich gut funktionierte und auch zum Quotenfang wurde.

Was allerdings sich bereits seit einigen Jahren andeutete, in diesem Jahr aber vor allem auf Pro7 mit brachialer Wucht zu Tage tritt kann und muss nicht nur als die konsequente Weiterentwicklung dieser Konzepte verstanden werden, sondern sollte dem aufgeklärten Menschen auch als Folgendes bewusst sein: Paradoxes Zweiklassenfernsehen, dass vor allem durch ein Höchstmaß an Chauvinismus brilliert.

Hier Beispiele zu finden, fällt nicht schwer, zunächst allerdings sollte man die gesamte Genese dieses entwürdigenden Spektakels betrachten, um wirklich hinter die Kulissen blicken zu können.

Schon von Berufswegen der dauernden Angaffung fleischgeiler Alt- 68er (vielen Dank an Quappe für diesen wunderbaren Begriff) ausgesetzt, entwickelte Powerfrau und selbsternanntes Top- Model (ein Begriff, der in der Modebranche selbst übrigens vor allem seit der Fernsehshows in Verruf geraten ist) Heidi- Klum die Show „Germanys next Topmodel“. Natürlich nicht aus Eigeninitiative, schließlich ist das hier Deutschland, sondern nach dem Vorbild der etwa gleichnamigen amerikanischen Vorlage.

Die allabendliche Fleischbeschau wurde schließlich ein solcher Quotenrenner, dass es nur konsequent geschienen haben musste, das Konzept weiterzuentwickeln und – unter allerlei Vorwänden- jeden Tag zur Anwendung zu bringen.

Dem allem liegt eine einfache Wahrheit zu Grunde:

Männer mögen Ärsche.

Da könnt ihr mir keinen Strick draus drehen, gebts zu, es ist nunmal so.

Was mögen Männer noch außer Ärschen? (In diesem Fall sind es übrigens nicht nur Männer, sondern auch gelangweilte HartzIV-Hausfrauen, selbsternannte Gangster- Rapper und 14- jährige Mädels, deren erklärtes höchstes Ziel der Einzug in Hugh Hefners Villa ist.)

Männer (und alle anderen genannten, und hier kommt das Prinzip „Help- tainment“ zur Anwendung) mögen es, sich über andere stellen zu können.

Jetzt scheint es allerdings so, als würde seit jüngster Zeit, namentlich diesem Frühjahr, Pro7s gesamtes Tagespogramm aus nichts weiter als der An- den- Mann- bringung dieser beiden Goldesel zu bestehen.

Vor allem die Spätnachmittagsshow „taff“ geizt nicht mit der stumpfen Objektivierung von Frauen, die sich vor der tribunalsmäßigen Jury vollkommen unbekannter spätpubertierender Vorstadtmachos in immer entwürdigenderen Ritualen bloßstellen müssen. Eines der besten Beispiele: In der Unterkategorie „hot five“ des Magazins „taff“ müssen fünf Bewerberinnen (auf was auch immer), streng ausgewählt nach Aussehen und möglichem Konfliktpotential, ihr Äußeres für drei maritim bekleidete Halbstarke feilbieten und sich dann in der Reihenfolge anordnen, in der sie glauben, von ihren hühnerbrüsternen Traumprinzen bewertet zu werden. Wer sich selbst richtig wertet (hässlich/ schön) bekommt „Punkte“. Wozu die gut sind? Keine Ahnung.

Aber hatte ich schon erwähnt, dass das ganze natürlich in der Kategorien „Gesicht, Brüste, Hintern“ gewertet wird? Fast wie beim Skihochsprung also, ganz seriös, oder- der vielleicht naheliegendere Vergleich- beim alljährlichen Innereien- Wettessen in der bayrischen Provinz.

Ähnlich, in Vollendung allerdings, obwohl mit genauso unbekannten F-Promis, geht das ganze bei „Sommermädchen“ vonstatten; einer Sendung, die direkt einer Reportage aus dem Münchener – Rotlichtmilieu entstammen könnte und gerechterweise von einem Rezensenten des Spiegel.de Online- Magazins als „neue Dimension des Demütigungsfernsehens“ tituliert wird.

Natürlich habe ich meine Überschrift nicht umsonst gewählt, der geneigte Leser sollte sich spätestens jetzt fagen: “wtf soll das mit Paradoxen zu tun haben?”

Traurigerweise stellt sich die Frage nach der Rechtfertigung meiner Überschrift in noch anderer Art und Weise, denn wer stellt die Hauptzuschauerschaft von „taff“? Zumindest zum Großteil Frauen.

Der tittengeile Macho, der bei „Sommermädchen 2009“ anderthalb Stunden seine kümmerliche Palme befächert ist gottseidank, obwohl oft bereits angenommen, noch nicht Realität, daher muss man auch hier davon ausgehen, dass Frauen die überwiegende Zuschauerschaft stellen.

Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen:

Handelt es sich dann überhaupt um ein Paradoxon? Wird diese demütigende Objektivierung, die Pro7 hier in solch entwürdigenden Ritualen zelebriert, von der weiblichen Zuschauerschaft gewünscht? Eine Frage, die ich nicht beantworten kann und deren Beantwortung allein der weiblichen Leserschaft dieses Blogs (sollte sich mal ein solches Wesen hierher verlaufen) obliegt.

Auch ein weiteres Beispiel liefert „taff“:

In bis zur Vollendung übertriebener Seriösität befragt ein Reporterteam auf Malle offenbar betrunkene Jugendliche mit Scherzfragen, die diese natürlich falsch beantworten.

Schon in Anbetracht der Fragestellung der Reportage („Macht Mallorca dumm?“) ist klar, dass hier nichts weiter betrieben werden soll, als die Stigmatisierung des besoffenen Malle- Urlaubers in Höchstform.

Natürlich kann keine der total angesoffnene Schnapschargen auch nur irgendeine der lächerlichen Fragen beantworten, und spätestens, als der verkippte Männerchor im Hintergrund „Wir sind dumm! Saufen!“ zu skandieren beginnt, sollte es einem eigentlich hochkommen.

Wie die Frage: Wer wird sich diese Reportage mit Freuden angesehen haben? Die Antwort, und was sich daraus ergibt, will ich an dieser Stelle euch überlassen.

Was übrigbleibt, ist die Frage, ob vielleicht man selbst, als Blog- schreibender, bücherlesender Uber- Nerd (letzteres zumindest in Augen der Pro7 Zuschauerschaft [„Bücher, alter, was bist dun fürn Opfa?“]) hinter der Zeit ist und nicht lieber selbst anfangen sollte, FHM zu lesen, einen Bausparvertrag für ein Haus auf Malle anzulegen und die verbliebene Zeit mit dem Ab- Workout von Jason Statham zu verbringen.

Der wurde nämlich von einem Ex- Elite- Soldaten trainiert.

Stand zumindest in der FHM.

Irland

Juli 20, 2009

Es war allgemeiner Konsens in meiner Familie, dass es mal wieder Zeit würde, mich loszuwerden.

Wohin also den Jungen schicken, um endlich mal wieder in Ruhe schlafen zu können? Irland.

Zusammenfassend muss ich sagen: Sie hätten es schlimmer treffen können.

Für alle, die es irgendwie interessiert, hier eine kleine Zusammenfassung der Reise in ein fremdes Land mit ulkigen Traditionen, merkwürdigem Essen und einem interessanten Geschmack für Bier.

Bereits der Reiseantritt gestaltete sich schwierig: Nicht allen Mitreisenden war das Konzept der Flughafensicherheit klar, weshalb wir bangen mussten, ob sie es trotz der diversen Liter Flüssigkeit im Handgepäck durch die Sicherheitskontrolle bringen würden- taten sie natürlich nicht.

Als also schließlich wenige Minuten vor Abflug die Nerven blanklagen und das Handgepäck endlich ausgewrungen war, stand schon infrage, ob der Urlaub als solcher überhaupt stattfinden würde.

In Dublin angekommen dann der nächste Schock: Irgendjemand hatte uns verarscht, und zwar gewaltig. Ich weiß nicht, ob es jemals einer von euch mit einem Nissan Tiida zu tun hatte, aber das Ding sieht schwer so aus, wie es sich anhört und fährt sich auch ungefähr so.

Trotz kaputter Stoßdämpfer, einer Lenkung, die nur lenkte, wenn sie auch wollte (selten) und Reifenprofilen die so abgefahren waren wie der letzte Zug nach Flensburg, müssen wir es irgendwie nach Carna geschafft haben (sonst hätte ich schwerlich diesen Artikel schreiben können, ihr seid aber auch Füchse!). Falls jetzt jemand versuchen sollte, den Ort auf einer Karte zu finden:

Vergesst es. Wenn ihr den abgelegensten Ort nehmt, den ihr kennt, und ihn ungefährt 400km weiter ins Nichts versetzt, ist das Carna. Für keine nennenswerte Einwohnerschaft gibt es drei Supermärkte, die natürlich auch alle das gleiche verkaufen, viel anderes charakterisiert den Ort nicht (entweder ist das irische Logik oder verschrobener Humor).

Unsere Behausung lag zudem noch weit außerhalb dieses Kaffs, dafür aber direkt am Meer und in karg- zerklüftet- malerischer Umgebung, die selbst für die Aufback- Brötchen beim örtlichen Bäcker entschädigte.

Sollte Irland (genau wie Italien) irgendwann ein zivilisiertes Land werden wollen, wäre es allerdings essentiell, dem Iren folgende Tatsachen näherzubringen:

  • Japaner können genausowenig Autos bauen, wie sie auch nur den geringsten Sinn für zivilisierte Getränke besitzen (Schlangenblut und Spatzenspucke in Dosen, vielen Dank Freunde)

  • Wenn ein Bier schwarz ist, ist das kein Zeichen für besonderen Geschmack oder Qualität, eher würde ich mal nach dem Haltbarkeitsdatum sehen

  • Warmes Wasser ist kein netter Bonus, sondern in zivilisierten Ländern Standard

Natürlich wird jetzt von mir erwartet, wie es so meine Art ist, über den Iren an sich herzuziehen, ihn als ungewaschenen, rauhen Landarbeiterkerl darzustellen, dessen zentraler Lebensinhalt Bier mit merkwürdiger Farbe ist, allerdings muss ich es kurz und ehrlich sagen: Verglichen mit zB. Italienern ist mir wirklich noch kein langmütigerer, freundlicherer Menschentyp untergekommen und deshalb will ich es bei diesen beiden Attributen auch belassen.

Bemerkenswert ist allerdings die Beziehung des Iren zu seinem Schaf: Davon gibt es jede Menge und das ist offenbar auch gut so, weil offenbar über die Jahrhunderte der Haltung dem irischen Schaf jeglicher Überlebensinstinkt quasi ausgetrieben wurde. Selig grast es am Straßenrand und hebt nicht mal den Kopf, wenn es erneut nur dank der Gnade des Autofahrers dem eigentlich sicheren Tod entronnen ist.

Über die Zeit der täglichen Konfrontation mit dem irischen Schaf habe ich folgende abenteuerliche Theorie entwickelt:

Die irischen Landstraßen sind holpriger als die Reime der Söhne Mannheims (und dieser Vergleich), man scheint also keine besondere Mühe in ihren Ausbau gesteckt zu haben (auch wenn ich bis jetzt in 5 Tagen mehr irische Baustellen gesehen habe, als deutsche in einem guten Teil meines bisherigen Lebens). Möglicherweise hat der Ire also seine Landstraßen nur geteert, um den epidemieartigen Graswuchs dort zu verhindern, so also seine Schafe vom absolut suizidalen Gedanken abzubringen, einfach auf der Straße zu grasen.

Eine Aktion mit eher mäßigem Erfolg.

Im Fazit kann ich eine Reise nach Irland so ziemlich jedem empfehlen, allerdings sollte man folgende Dinge nicht erwarten:

  • Touristische Attraktionen abseits von uralten Burgen und kernigen Torfstechern

  • Trinkbares Bier (Abgesehen von dänischen und holländischen Marken, aber unter uns- Der Däne kann im Grunde genommen gernauso gut Bier wie der Japaner Autos. Was das im Klartext heißt und im Vergleich für das dänische Bier bedeutet, kann sich ja jeder selbst ausrechnen)

  • Fotogene Inneneinrichtung

(Der letzte Punkt ist zu vernachlässigen)

Folgende Musik eignet sich gut für eine Reise nach Irland:

  • „On little known frequencies“ von From Monument to Masses

  • So ziemlich alles von den Eels und “Source Tags and Codes” von …trail of dead