Der weise Cheng San-Yun sagte einmal:

„Das Leben ist ein Wurstsalat und keiner findet die Steckdose.“

So ähnlich zugegebenermaßen ging es mir, als ich mir heute Ong Bak 2 angesehen habe. Normalerweise ist das ja nicht meine Geschmacksrichtung, Kung- Fu oder Was-auch-immer- Kampffilme, aber da der erste Teil so dermaßen wegweisend geil war dachte ich mir eben- ach Gott, warum halt nicht.

Kurz nocheinmal vorwegbemerkt: Dies ist ein Martial- Arts Streifen. Menschen kämpfen, es fließt Blut, FSK 18 und so weiter. Tatsächlich gibt es aber im ganzen Film nur 4 Kampfszenen! Natürlich könnte man jetzt anbringen, dass die vierte eben knappe 20min lang ist, aber in Anbetracht der Tatsache, dass sie ziemlich genau so aussieht, wie eben der Endkampf des Vorgängers im Mittelalter, irgendwo in den Anden, dürfte das kaum jemanden scheren.

Unglaublich aber wahr:  Dies ist ein wirklich langweiliger Film.

Diverse Charaktere sind so damit  beschäftigt, dramatisch in die Kamera zu starren, dass ich langsam mit dem behaarten kleinen Typen sympathisiere, der den Hobbit in Herr der Ringe gespielt hat. Oh. Die waren alle klein und behaart ja, und es waren mehrere… egal.

Zudem besitzt dieser Film die unnötigsten Slowmo- Sequenzen in der Geschichte des Universums. In SlowMotion werden gezeigt:

– Essende Menschen

– Ein rauchender Typ

– Zwei redende Männer

– Ein strickende Frau

Nothing more to say.

Ewig sitzt man da in seinem Sessel und denkt: Jetzt mach doch den Hals zu und hol die Fäuste raus Junge, die Handlung interessiert doch wirklich kein Schwein! Daraufhin passiert nichts weiter, als dass irgendein Typ, der wohl ein Herrscher ist (weil er den größten Obsthut hat) etwas sagt, ungefähr so wie das hier:

Unser Reich, meine sehr verehrten Damen und Herren, anwesende Generäle und Oberhäupter, ist das größte und beste und irgendso ein Ritual wird euch jetzt verdammt noch mal dran erinnern!

Und dann passiert nichts weiter, als das SlowMo- Tänzerinnen gezeigt werden, die eine halbe Ewigkeit ihre zudem unangemessen verhüllten Körper zu ätherischer Musik bewegen, dass sich Madonna in ihre faltigen Schenkel beißt (die kann das, hab ich mal… wo gelesen). Immerhin kreuzt dann der Held auf, aha, oho, der hat ja ne Maske auf, jetzt wird bestimmt gekämpft! Denkste Kumpel, der schwingt jetzt auch erstmal das Tanzbein, sieht zwar beeindruckend aus, interessiert aber immer noch kein Schwein! Dann wird zwar mal gekämpft, was zwar cool aussieht, aber viel zu kurz ist und schnell wieder durch dramatische Slowmo- Blicke abgelöst wird.

Den Plot hat dann auch spätestens an dieser Stelle eh keiner mehr im Griff, der Drehbuchautor scheints am wenigsten. Es passiert zwar irgendwas, ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass dieser Film Handlung hat. Handlung im reinen Wortsinne aber, dh. Menschen tun irgendwas, meistens in SlowMo, was genau begreift aber niemand. Es gibt so eine Art Prinz, das ist wohl der Protagonist, so weit komm ich ja noch mit. Der Typ ist irgendwie krass, was vorhersehbar war, (weil wohl keiner einen Martial- Arts Film mit Doktor Klöbner in der Hauptrolle dreht) trifft ein Mädchen, Slowmo-Blicke, landet auf einem Felsen voller Räuber, wirft jemanden in kochendes Wasser, SlowMo- Blick in die Kamera, aha, du hast da son Vendetta Ding laufen Junge, mach du mal, okay, erstmal tanzen, jetzt ein Flashback, okay… wie viel Zeit ist noch? Gut, wir spielen einfach die Anfangs- Szenen nochmal ein, nennen das dann Rückblick und lassens in Slowmo laufen, damit mehr Zeit rumgeht- WHAT? Wenn das jetzt irgendwer verstanden hat, verdient er meine ehrliche Anerkennung und eine Einladung zum Kuchenback- Wettbewerb in Neuruppin, weil er jetzt wahrscheinlich in der richtigen Geistesverfassung dazu sein dürfte.

Der Film endet vorhersehbar, aha, der Mentor hat seinen Vater getötet, oho, dramatischer Blick (Slow-Mo natürlich) und dann… Finito.

Zum Schluss dieses kleinen Verrisses, der wahrscheinlich mindestens so ein unverständliches Gestammel ist wie Ong Bak 2, gibts noch zwei Goodies. Zum einen die beiden charakteristischsten Sprechakte des Streifens:

1) Irgendein krasser Alter Typ, der kurz auftaucht, aber nicht weiter wichtig zu sein scheint:

„Wer Macht besitzt, ist furchteinflößend; wer sie missbraucht, noch furchteinflößender.“

Tao, Konfuzius, Lao- Tse, kniet nieder und erkennt euren Meister, sag ich da nur.

2) Irgendein Typ zum Protagonisten:

„Willst du irgendwie n Schwert ham oder so? Ich mein, wenn du eins hätts, ja, was würsn damit machn?“

„mhhh, ich würde die bösen töten und den guten helfen, das wäre MEIN BEITRAG ZUM FRIEDEN IN MEINEM LAND.“ *

Zum allerletzten Schluss gibts noch die 4 besten Slow- Mo Gesichter des Films:

Werbeanzeigen

Schön genug

Juni 9, 2009

Der Tag schwankt
droht zu bersten
strahlende Pflastersteine ebnen deinen Weg
freundlich
du trittst sie
wie ein lachendes Geschwür
steht die Sonne
wärmt dich
sticht dich
brennt
alles brennt
dein Tag zieht Risse

Was ihr wollt

Juni 7, 2009

Als Christian den Finger auf die Türklingel legt, fühlt sich der Knopf kalt an. Tut er sonst nie, es kommen immer viele Leute zu ihnen, gerade morgens.
In der Schule war die Klausurphase vorüber gewesen, er müde und geschlaucht vom vielen Lernen und unintelligenten Mitschülern.
Klar hatte er da Urlaub gebraucht, seine Eltern hatten das verstanden, ihm den Flug bezahlt und das Hotel.
Böse Menschen mochten ihn verwöhnt nennen, arrogant.
Die Stufen zur Tür wirken leer, unbestimmt, Christian schiebt den Gedanken bei Seite.
Er klingelt noch einmal, hört keine Schritte.
Gähnend schiebt er die Fußmatte ein Stück bei Seite, will das zumindest, doch da ist keine Fußmatte und auch kein Schlüssel.
Jetzt ist er genervt, müde vom Flug, der Sitznachbar hat geschwitzt wie ein Schwein, Christian auch, er geht zu den Nachbarn.
Seine Eltern seien weg, sagen die nur. Wüssten sie nicht, wohin, weg jedenfalls, vorgestern, mit vielen Koffern und Kisten.
Er fährt zusammen, ungläubig, vielleicht ist schon April. Mit müden Fingern wählt er die Handynummer seiner Mutter- eine Computerfrau sagt, dass der Anschluss nicht vergeben ist und wünscht einen schönen Tag.
Nochmal zur Haustür jetzt, Christian rüttelt daran, klingelt nochmal, fährt sich durch die Haare.
Frau Hauser von nebenan fragt, ob er noch etwas brauche, sie habe Suppe auf dem Herd.
Christian antwortet nicht, beißt auf die Lippe, beim dritten Versuch gibt die Tür nach.
Er braucht eine Dusche und Schlaf, hat keine Zeit jetzt für dieses Theater. Ein Witz auf seine Kosten, gut und schön, aber genug ist genug.
Die Tür hängt schief in den Angeln, ein Teil des Rahmens noch am Bolzen, und gibt den Blick frei auf einen leeren Hausflur. Keine Bilder, kein kleiner Holztisch mit Blumenvase, nicht einmal Teppich.
Christian blinzelt, stolpert in den Flur, hinter ihm legt der Postbote Briefe vor die Tür und wünscht einen schönen Tag.
Kein Küchentisch mit Obstschale, keine alten Zeitungen auf dem Regal, sogar die Vorhänge sind abgenommen.
Schritte poltern die Treppe herunter, Christian atmet aus, dann wieder ein, es ist nicht sein Vater.
Sein Name sei Jülich und er würde die Tapeten mitnehmen sagte ein Mann. Oben sei er schon fertig, er komme morgen wieder. Einen schönen Tag wünsche er noch.
Christian nimmt ihn nicht wahr, stützt sich sich an der Wand ab, keucht.
Dort vorne, in der Mitte des großen Wohnraums, der jetzt aussieht wie eine Höhle, hatte sein Vater gestanden. Die Stirn in Zornesfalten gelegt hatte er sich gegen das Businessclass- Ticket verwehrt und dabei auf den Tisch geschlagen.
Verschwinde doch, verschwindet alle, hatte Christian nur gebrüllt im Gehen, und macht, was ihr wollt.

Walzer

Juni 3, 2009

Erschöpfungslos
Schweiß ist unsere Musik
wir tanzen und tanzen

das Peitschenorchester der Sklaventreiber
spielt auf
ab
spielt uns nieder

der Galgen spendet uns Schatten
in hyazinthener Nacht
wir tanzen und tanzen

um den Galgen
um dem Galgen
zu entkommen

wir tanzen und lachen
bis die Peitsche uns entwest

sieh, sie hängen schon
grinst die gehörnte Geißel
„Demut“

und wir tanzen und tanzen

2/2

Juni 1, 2009

Dieses Wochenende war ich wieder in Wolfenbüttel, wo ich eine Reihe Workshops für kreatives Schreiben besuche.

Im Laufe der kommenden Tage könnt ihr mal reinschauen, und sehen, was so rausgekommen ist dabei.

2/2

Das Klackern meiner Absätze auf Asphalt, die Haare windzerzaust, dich interessiert das nicht. Du bist auf deine eigene Art oberflächlich.
Du öffnest die Tür. “Wir müssen über die Arbeit reden.” sage ich.
Du wiegst den Kopf, kahl und kantig, und lässt mich rein.
Ich will meine Jacke aufhängen, du beäugst sie kritisch, misst ab, rückst sie zurecht.
Als du nicht hinsiehst, stelle ich die kleine Tasche ab; ich weiß, du magst sie nicht, behalte sie trotzdem.
Du gehst ins Wohnzimmer, an dem nichts Wohnliches ist. Es wirkt wie eine Ansammlung von Raum, die jemand hier vergessen hat, Kommazahlen einer Rechnung, tot und ohne Aussage.
Stühle stehen in rechtem Winkel zur Wand, anderen Stühlen, einem Tisch, parallel, symmetrisch, du setzt dich.
Ich achte darauf, nichts zu verrücken, als ich Platz nehme; es gibt genug davon.
„Ich brauche Zeit.“ Selbst deine Sprache ist kahl, dein Hass auf Überflüssiges ist allgegenwärtig.
„Wir müssen veröffentlichen, bald. Ehrlich gesagt, mir geht die Geduld aus und auch das Geld.
Hast du was zu trinken? Ich verdurste.“
Dann stehst du auf, gehst, kommst wieder, ein Glas Wasser in der Hand.
Sogar deine Gläser sind eckig.
Runde Dinge machen dir Angst, sie passen nicht ins System, schwer einordbar, du vermeidest sie.
„Meine Argumentation hat Lücken. Die Formeln stimmen, aber die Herleitung ist nicht eindeutig.“
Du trägst einen Anzug, deinen einzigen Anzug, er ist grau, und ich finde ihn scheußlich.
Ich habe dir einen zweiten zum Geburtstag geschenkt, du hast ihn weggelegt, vielleicht sogar mir zu Liebe behalten.
Im Schlafzimmer steht ein Schrank, größtenteils leer, eine Krawatte hängt darin, Rautenmuster, rechtwinklig.
Auch dein Wohnzimmer hast du zusammengestrichen wie eine Gleichung, den Teppich weggekürzt.
Ich habe vergessen, was du zuletzt gesagt hast, kann es nicht zugeben, du würdest es nicht verstehen. Stumm lege ich die Hand auf dein Knie.
Du sprichst nicht, überdenkst mögliche Reaktionen. Endlich bewegt sich deine Hand, bedeckt meine, warm, sanft.
„Morgen Abend gehen wir essen.“ sagst du und rückst ein Blatt auf dem Tisch zurecht.
„Du hasst das Restaurant.“
Du nickst.
„In zwei Tagen werde ich fertig sein. Ich schicke dir eine Kopie.“
Deine warme Hand liegt noch immer auf meiner, du willst, dass ich gehe.
Früher hast du mich auf eine unbestimmte Art fasziniert, wie ein seltenes, scheues Tier. Doch du hast deinen Käfig selten verlassen; nie, wenn du nicht musstest. Ich verbrauche mich an dir, komme dir nicht nahe.
Du weißt, was du willst, bekommst es- ich bin nicht Teil deiner Gleichung.
„Ich gehe jetzt. Arbeite nicht mehr zu viel.“
Du nickst.
Als ich aufstehe, rückst du meinen Stuhl zurecht, rückst mich zurecht, ordnest die Sätze, die noch im Raum stehen.
Auch uns hast du weggekürzt, kleinschrittig, logisch.
Ich will dich küssen zum Abschied, entscheide mich dagegen, gehe nur.
Ich bin deine Asymptote.