Don Carlos: IV.12

November 17, 2008

So, hier ist nochmal ein wenig schulische Arbeit von mir (zugegebenermaßen nur am PC geschrieben, weil kein liniertes Papier mehr übrig war.

Vielleicht kann ja jemand was damit anfangen- wie gesagt: Ich hafte für nichts, das ganze kann vielleicht als Kurzbeispiel einer Dramenanalyse herhalten, ist allerdings nicht aspektorientiert analysiert, weil mir das immer zu lange dauert und ich irgendwann den Überblick verliere.

[EDIT]: So, hier ist eine verbesserte Version, die zudem fast den gesamten 12. Auftritt umfasst.

Wie auch immer- viel Spaß (wenn man das bei einer Analyse sagen darf…):

Analyse eines dramatischen Gedichts- „Don Carlos“, IV.12

Der mir zur Analyse vorliegende Textausschnitt stammt aus dem 12. Auftritt des vierten Akts des dramatischen Gedichts „Don Carlos“. Dieses wurde 1787 von Friedrich Schiller veröffentlicht und thematisiert die politischen und gesellschaftlichen Verstrickungen am Hof Philipps II., die Freundschaft Don Carlos´, des Infanten Philipps, zu dem Marquis von Posa, die dieser jedoch nur einsetzt, um seine aufklärerischen Ideale verwirklichen zu können, sowie die unglücklichen Liebe des Carlos zu Elisabeth von Valois, seiner Stiefmutter.
Literaturgeschichtlich ist das Drama in die Weimarer Klassik einzuordnen.
Diese Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts war geprägt durch die Erfahrung der schwierigen Durchsetzbarkeit der humanistischen Ideale der Französischen Revolution, sowie die Tatsache, dass der zentrale Wertekonflikt des Sturm und Drang zwischen Vernunft und Gefühl nicht hatte befriedigend gelöst werden können.
Gerade die aufklärerischen Vorstellungen unter anderem der französischen Revolution spielen auch eine entscheidende Rolle in „Don Carlos“, wir finden sie in der Figur des Marquis von Posa, dem Ideenträger des Dramas.

Im ersten Akt des Dramas, der Exposition, werden die Charaktere vorgestellt, Konflikte zwischen Carlos und Philipp II., Carlos und Domingo sowie Philipp und Elisabeth werden enthüllt.
Anschließend erfolgt im zweiten Akt der Anstieg der Spannung hin zum Höhepunkt des Stückes, er ist gezeichnet durch die Entfaltung des Vater-Sohn-Konfliktes zwischen Carlos und Phillip, dem Liebeskonflikt zwischen Eboli und Carlos, sowie eine Atmosphäre aufkeimender Intrigen und des Misstrauens.
Es folgt mit dem dritten Akt der Höhepunkt des Dramas, König Philipp II. sieht sich von Intrigen umgeben und findet in dem Marquis von Posa scheinbar einen vertrauenswürdigen Menschen.
Die Atmosphäre des vierten Aktes, in dem ein leichtes Abfallen der Handlungskurve zu beobachten ist, ist erneut gekennzeichnet durch allgegenwärtiges Misstrauen und Intrigen.
Der 12. Auftritt des vierten Aktes handelt dabei von einem Treffen Philipps II., mit dem Marquis von Posa. Dieser ist durch einen Vorwand an die Brieftasche Don Carlos gelangt, die er nun dem König übergeben will.
Dieser Auftritt spielt nach dem Streit Elisabeths mit Philipp, in dem dieser zugibt, Briefe aus ihrer Schatulle stehlen lassen zu haben und sie der Untreue beschuldigt; Elisabeth stürzt am Ende dieses Auftritts, was ihre Fassungslosigkeit und Bestürzung über die Vorwürfe ihres Ehemanns zum Ausdruck bringt.
Intention des Autors in diesem Textabschnitt war es, die Beeinflussung Philipps durch den Marquis sowie die unlauteren Mittel, mit denen dieser seine politischen Ziele durchsetzt, darzustellen.
Im fünften Akt steigert sich die Handlung des Dramas bis hin zur Katastrophe:
Der Marquis von Posa wird getötet, die Liebesbeziehung zwischen Elisabeth und Carlos endgültig offenbart und beendet und dieser der Inquisition übergeben.

“Wichtige Entdeckungen, die ich gemacht, verändern der Sache ganze Lage.” (Z. 3840-3842) weckt der Marquis zu Beginn des Textabschnitts das Interesse des Königs.
Bereits in diesem ersten Satz wird die Rhytmisierung des Textes durch den von Schiller verwendeten Blankvers (5-hebiger Jambus) deutlich.
Die Umstellung des letzten Satzteils (“verändern der Sache ganze Lage.”) lenkt zudem das Interesse des Zuhörers auf diesen und erreicht so eine deutliche Steigerung der Dramatik.
Nach der kurzen Zustimmung des Königs, fortzufahren (“Nun?”, Z. 3843)  bricht der nächste Sprechakt des Marquis vorzeitig ab (“ein´ges Licht- “ Z. 3843), das Interesse des Königs an den Papieren seines Infanten wird hier deutlich, verstärkt noch durch die Regieanweisung “(durchsucht sie begierig)” in Zeile 3845.
Begründet liegt die Neugierde des Königs in seinem Wunsch, Licht in das Dunkel der Intrigen zu bringen, die er an seinem Hof erkennt und zu erkennen glaubt.
Misstrauen wird bereits zu Anfang seines nächsten Sprechaktes deutlich, als er einen Brief seines Vaters an den Infanten in der Brieftasche entdeckt:
“Von dem ich nie gehört zu haben mich entsinne?” (Z. 3846)
Der Ausruf “-Wie?” vor Beginn dieser Frage unterstreicht zudem, verstärkt durch den ihm vorangehenden Gedankenstrich, die Überraschung Philipps.
Die folgende Regieanweisung dient vor allem dazu, zentrale Charakterzüge Philipps und des Marquis´ zum Ausdruck zu bringen:
Der König liest wissbegierig die privaten Dokumente seines Sohns, argwöhnisch ob der Intrigen, die er, von diesem ausgehend, gegen sich geführt vermutet; der Marquis billigt nicht nur, sondern braucht auch dieses Verhalten Philipps um ihn durch gezielte Zurückhaltung von Informationen für seine Zwecke nutzen zu können (“(Er liest es durch, legt es beiseite und eilt zu den anderen Papieren.)”).
Der nächste Abschnitt dieses Sprechaktes Philipps zeigt ihn gedankenversunken, bis er schließlich ein offenbar wichtiges Schriftstück entdeckt.
Das Stilmittel der Parenthese (“Der Plan zu einer Festung- Abgerissne Gedanken aus dem Tacitus- Und was denn hier?”, Z. 3848- 3850) verdeutlicht, wie der König die Dokumente des Infanten überfliegt, bis er schließlich auf das zentrale Beweismittel stößt- den Brief Ebolis an Carlos.
Philipp zeigt sich zunächst überrascht (“Und was denn hier?”, Z. 3850), bald argwöhnisch und schließlich ensetzt.
Im letzten Teil seines Sprechaktes zitiert der König aus dem Brief, unterbricht sich dabei jedoch immer wieder selbst und bringt durch Einschübe- hier kommt erneut das Stilmittel der Parenthese zum Tragen- seine Verwunderung zum Ausdruck:
“”Die hintern Zimmer im Pavillon der Königin- -Ha! Was wird das?” (Z. 3853)
Philipps Sprechakt endet mit seiner Erkenntnis über das Gelesene, schließlich bringt er seine Bestürzung wütend und entschlossen, im Kontrast also zum vorher Gesagten, in einem vor allem durch das Adjektiv “Satanische” (Z. 3855) getragenen Ausruf zum Ausdruck.
Die beiden folgenden Sprechakte sind charakteristisch für die Art von dramatischem Gespräch, das der König mit dem Marquis in diesem Auftritt führt, obgleich, wie der Leser weiß, die Überraschung sowie der Fehschluss des Marquis, das Geschriebene stamme von Elisabeth (“Die Hand der Königin?” Z. 3857) lediglich gespielt sind.
Beide Charaktere ziehen Schlüsse und sind überrumpelt von dieser plötzlichen Wendung des Geschehens, sie unterbrechen sich gegenseitig, die Dramatik des Textabschnittes spitzt sich zunehmends zu:
Es handelt sich hier um ein Enthüllungsgespräch, eine der Schlüsselstellen des Dramas, auch wenn es sich hier um einen durch den Marquis herbeigeführten Fehlschluss des Königs handelt.
Für diese Art des dramatischen Gesprächs ebenfalls typisch ist die verhältnismäßig gleichmäßige Verteilung der Redeanteile- beide Charaktere entlarven und entdecken und spornen sich gegenseitig an (vgl. Z. 3856- 3858).
Dessen Bestürzung und Aufwühlung wird in der folgenden Regieanweisung deutlich:
“(des Marquis Hand fassend, in heftiger Bewegung)”
Der König verhält sich für seine Stellung und ebenfalls für seine sonstige Verhaltensweise atypisch:
Er ergreift die Hand des Marquis, er teilt ihm aufgewühlt seine Bestürzung und Verzweiflung mit, hier erneut verdeutlicht durch zwei parenthetische Einschübe (“Marquis, ich sehe mich in fürchterlichen Händen! Dies Weib- Ich will es nur gestehen- Marquis, dies Weib […]” Z. 3861- 3863). Ebenfalls zur Dramatisierung des Sprechaktes trägt das Stilmittel der Repetitio bei (“Marquis, […] Dies Weib […]- Marquis, dies Weib […]” Z. 3861-3863) mit dem der König seiner Verzweiflung Ausdruck verleiht.
Durch seine Handlugsweise in diesem Sprechakt wird ebenfalls aufs Neue die Beziehung Philipps zu Marquis Posa verdeutlicht; während der König sich Posa anvertraut, in als einzigen Vertrauenswürdigen in seinen Reihen sieht, weiß er nicht, dass sei Verhalten von diesem genau so gewollt und geplant war.
Geringschätzung hingegen wird Domingo gegenüber deutlich, dieser wird als “Mönch” (Z. 3865) bezeichnet, vom König also deutlich herabgestuft und auch als Intrigant ihm gegenüber indentifiziert:
“Wie viel der Mönch drum wissen mag” (Z. 3865) hier wird ebenfalls deutlich, dass der König Domingo als Gefahr einschätzt. Er sieht sich von Intrigen umringt und hat scheinbar nur noch einen Menschen, dem er vertrauen kann- Posa.
Wie dieser den König für seine Zwecke zu nutzen und zu lenken vermag zeigt auch der letzte Sprechakt des Textabschnitts:
“Marquis! Marquis!” (Z. 3866) ruft Philipp verzweifelt aus, verdeutlicht durch die Repetitio.
“Ich fange an, zu fürchten, dass ich meiner Gemahlin doch zu viel getan-” (Z. 3866, 3867)
Marquis von Posa hat also durch die Auslieferung des Portfolio Don Carlos´ bei Philipp das Geplante erreicht- Den Verdacht von Carlos und Elisabeth auf Eboli zu lenken.
Nun kann er fortfahren und mit der Hilfe des Königs seinen nächsten Plan, Carlos Verhaftung nämlich, durchführen.
“Wenn zwischen dem Prinzen und der Königin geheime Verständnisse gewesen sind, so waren sie sicherlich von weit- weit anderm Inhalt, als dessen man sie angeklagt.” (Z. 3869- 3871), bestärkt er den König zunächst in seinem Zweifel, seiner Gattin doch Unrecht getan zu haben.
“Wenn”, auf dem die größte Betonung in diesem Satz des Marquis liegt, bestärkt die Ungewissheit des Königs, mit seinen Anschuldigungen gegen Elisabeth Recht zu haben; in Zeile 3872 wird durch  die Kombination von “sicherlich” mit der Repetitio “wenn” die Unwahrscheinlichkeit dessen noch unterstrichen.
“Ich habe Gewisse Nachricht, dass des Prinzen Wunsch, nach Flandern abzureisen, in dem Kopfe der Königin entsprang.” (Z. 3873-3876) leitet der Marquis nun über, um das Misstrauen des Königs gegen Carlos zu verstärken.
“Gewisse” (Z. 3874) nimmt dabei Bezug auf die Äußerung des Marquis, im Verborgenen zu handeln und lässt vermuten, dass er diese Information ebenfalls aus geheimer Quelle bezogen hat.
Der König bestätigt den Marquis nur mit einem kurzen “Ich glaubt es immer.” (Z. 3877), dies ist beispielhaft für die Veränderung des Gesprächsanteile ab Zeile 3869 im Vergleich zum ersten Teil des 12. Auftritts:
Es ist eine Veränderung des Gesprächstypus vom Enthüllungsgespräch hin zum Entscheidungs- oder vielmehr Überzeugungsgespräch zu beobachten; der Marquis dominiert das Gespräch.
In seinem folgenden Sprechakt charakterisiert der Marquis die Königin als intelligente, ehrgeizige und stolze Frau, um so zu erklären, dass Carlos Plan, nach Flandern zu gehen, Teil eines politischen Plans Elisabeths war:
“Die Königin hat Ehrgeiz-” Z. 3887, der Marquis hält kurz inne, scheinbar zweifelnd ob er vor dem König seine Ansichten über dessen Gattin vortragen darf.
Dies drückt sich in dem parenthetisch eingeschobenen “Darf ich mehr noch sagen?” in Zeile 3878,3879 aus.
Schließlich fährt er fort und es gelingt ihm zum einen, Carlos in den Augen des Königs als heißblütigen Jünglin, die Königin zu gleich kalte Politikerin darzustellen. Erneut zeigt der Einschub “ihr Herz” in Zeile 3802, das scheinbare Unbehagen des Marquis, diese Sätze auszusprechen.
Die Parenthesen erwecken den Eindruck, er müsse sich überwinden um dem König diese Wahrheiten zu offenbaren; dadurch zeigt sich der Marquis als wesentlich geschickterer Intrigant und Manipulator als Domingo und Alba.
Es folgt erneut lediglich eine kurze Antwort des Königs (Z. 3883) auf die hin der Marquis beginnt, dem König seinen eigentlichen Plan zu entfalten:
“Ob sie geliebt wird?- Ob von dem Infanten nichts Schlimmeres zu fürchten?” (Z. 3885, 3886) entfacht er erneut das Misstrauen Philipps und erreicht durch die Reihung der beiden Fragen eine Verstärkung des Ausdrucks des Folgesatzes, einer einfachen Aussage:
“Diese Frage scheint mir der Untersuchung wert.” (Z. 3887) Auch hier schlägt er dem König keine direkte Handlungsweise vor, sondern legt die Entscheidung in seine Hände, die der Marquis jedoch in Wahrheit schon längst für ihn getroffen hat.
“Hier, glaub´ ich, ist eine strenge Wachsamkeit vonnöten-” (Z. 3889)
Vor allem durch das Schlüsselwort “Wachsamkeit” kann der Marquis die Gedanken des Königs in die von ihm gewünschte Richtung lenken, “glaub´” betont jedoch ein weiteres Mal die Tatsache, dass Posa Philipp selbst scheinbar die Auswahl der Handlungsweise überlassen will.
“Ihr haftet mir für ihn-” unterbricht der König ihn in Zeile 3888,  lässt diesen Satz jedoch unbeendet, verdeutlicht durch den Gedankenstrich.
Der Marquis scheint sich erst bedenken zu müssen, wie die Regieanweisung in Zeile 3889 verdeutlicht, dies betont das Gewicht, dass er dem Gesprächsgegenstand zumisst.
“Wenn eure Majestät mich fähig halten, dieses Amt zu führen, so muss ich bitten, es uneingeschränkt und ganz in meine Hand zu übergeben.” (Z. 3889- 3892) folgt der Schlüsselsatz des Marquis, mit dem er alles zu erreichen in der Lage ist, was seine Pläne vorsehen.
“Mich fähig halten” betont dabei die Bescheidenheit des Marquis und sein Vertrauen in den König, “Amt” erneut die Schwere der Situation und mit der Akkumulation “uneingeschränkt” und “ganz” die alleinige Befugnis, die Posa hier von Philipp wörtlich erbittet, in Wahrheit aber verlangt.
Der König ist längst von den Ansichten der Marquis´ überzeugt, zu schwer wiegt ihm zudem die Schuld, in der er scheinbar bei Posa ob der aufgedeckten Intrige Ebolis steht.
Es folgt ein kurzer Wortwechsel mit Lerma, der über das Wohlempfinden der Königin berichtet, im Anschluss wird die Beziehung Posas zu Lerma und dessen Rolle in den Plänen des Marquis´ beleuchtet.
“(Er sieht den Marquis mt zweideutigen Blicken an und geht.)” lautet die Regieanweisung zu Lermas Abgang in Zeile 3901. Hier wird klar, dass Lerma Posa für einen Intriganten hält, vor dem er Carlos, seiner Ansicht nach, zu Recht gewarnt hat.
Die Tatsache, dass der Marquis im Anschluss zunächst eine Pause macht, wie um abzuwarten, bis Lerma sich weit genug entfernt hat (“(nach einer Pause zum König)”) verdeutlicht zudem das Misstrauen Posas gegen diesen.
Dieses wird, wenn auch hintergründig, ebenfalls in dessen nächstem Sprechakt ausgeführt.
Posa hofft, durch eine Anspielung auf Lerma den Argwohnt des Königs gegen diesen zu schüren und ihn so ebenfalls daran zu hindern, seinen Plänen in die Quere zu kommen (“Der Prinz, fürcht´ ich, kann Warnungen erhalten. Er hat der guten Freunde viel-”, Z. 3902,3903).
Schließlich spielt er auf die Möglichkeit an, Carlos könnte könnte Konakte zu den Genter Rebellen nutzen und fliehen; er rät dem König, dieser Möglichkeit zuvorzukommen:
“Die Furcht kann zu verzweifelten Entschlüssen ihn führen- Darum riet´ ich an, gleich jetzt Vorkehrungen zu treffen, diesem Fall durch ein geschwindes Mittel zu begegnen” (Z. 3906- 3908)
Es fällt vor allem auf, dass dieser Satz durch seinen Konjunktiv Carlos nicht endgültig schuldig spricht, sondern die Entscheidung über eine Notwendigkeit solcher Maßnahmen erneut beim König liegen soll. Die paraphrasierte Wiederholung des vorletzten Nebensatzes (“Darum riet ich an, gleich jetzt Vorkehrungen zu treffen, diesem Fall durch ein geschwindes Mittel zu begegnen.”) unterstreicht zudem die Wichtigkeit dieses Anliegens des Marquis, dem Philipp natürlich zustimmt (“Ihr habt ganz Recht. Wie aber-” Z. 3909).
Der Marquis unterbricht ihn (“Ein geheimer Verhaftsbefehl, den Eure Majestät in meine hände niederlegen, mich im Augenblicke der Gefahr sogleich desselben zu bedienen- und-” Z. 3910- 3913) und führt erneut das Motiv der Heimlichkeit und der verdeckten Gefahr in das Gespräch ein.
So nimmt er indirekt Bezug auf den vorangegangenen Gesprächsteil, in dem durch sein entschlossenes Handeln die Intrige der Eboli aufgedeckt wurde.
In den letzten Sprechakten des 12. Auftritts ist zum Ende hin eine zunehmende Häufung von Parenthesen sowie gegenseitigen Unterbrechungen zu beobachten (“Es bleibe vors erste Staatsgeheimnis, bis-” Z. 3914, “Das Reich ist auf dem Spiele- Außerordentliches Mittel erlaubt die dringende Gefahr- Hier, Marquis” Z. 3914- 3916).
Dies trägt dazu bei, erneut Spannung aufzubauen und illustriert sowohl die Aufregung des Marquis´ und des Königs sowie die dringende Notwendigkeit, zu Handeln.
Der König folgt den Ratschlägen des Marquis und handelt schnell und entschlossen. Dies steht in einem Gegensatz zu der verzweifelten, scheinbar aussichtslosen Situation, in der Philipp sich noch zu Ende des ersten Gesprächsabschnittes befindet und verdeutlicht das Vertrauen, dass er in den Marquis setzt.
Der letzte Sprechakt des Königs hat erneut dieses Vertrauen zum Inhalt, in der vorangehenden Regieanweisung (“(legt die Hand auf seine Schulter)” Z. 3919) handelt Philipp erneut für einen König geradezu unziemlich persönlich, zudem drückt er durch “lieber” (Z. 3919) ebenfalls persönliche Zuneigung und Vertrauen aus.
In diesem Auftritt ist also die Taktik des Marquis, dem König seine Entscheidungen durch subtile Beeinflussung und Betonung seiner Handlungsmacht vorwegzunehmen, aufgegangen.
Er ist nun im Besitz des Verhaftsbefehls gegen Carlos, mit dem er den Infanten in den Kerker bringen lassen wird.

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Momentan noch titellos

November 15, 2008

Schicksalsergeben trottet der Löwe in die Manege.
Weibliche Artgenossen gähnen, als er routiniert seine Kunststückchen vorführt.
Zahm lässt er sich vom Dompteur die Mähne kraulen und wälzt sich im Sand.
Applaus.
Schließlich schleppt er sich zurück in den Käfig; fragt sich, ob er überhaupt noch wie ein Löwe aussieht.
„Morgen“, denkt er, „brülle ich mal wieder.“

Alles geht den Bach runter…

November 12, 2008

Die Urheber des folgenden stümperhaften Grundschul- Gereimes sind tatsächlich für einen namhaften deutschen Radiopreis nominiert.

Solche Leute dürfen ungestraft frei herumlaufen und behaupten, niveauvolle Musik zu machen…

Vielleicht sollten die sich mal nen anständigen Songwriter zulegen und sich wie Britney Spears und all die anderen Popsternchen aufs Playback- Singen verlegen.

Söhne Mannheims- Das hat die Welt noch nicht gesehen

Sag mal, hast du das geseh’n?
Wie sie lachten, wie sie geh’n?
Manche Wesen sind so schön,
Innen wie außen – sie verwöhn’n
Deine Sinne und gewöhn’n
Dich wieder an Liebe, die du kennst,
Zu der du immer wieder rennst.
Diese Liebe ist real,
So real wie Höllenqual’n.
Doch Höllenqualen sind egal,
wenn sich die Liebe dir empfahl.

Doch es ist gut, wie es ist.
Der Mensch lernt nur, wenn er Scheiße frisst,
Sonst reift er nicht.
Er weiß doch nichts.
Ich weiß noch nicht,
Wann verstreicht die Frist?

Das hat die Welt noch nicht geseh’n.
Trotzdem ist Liebe wunderschön,
Ist unsichtbar und trotzdem da.
Freude und Leid das ganze Jahr,
Man nimmt das Leben sonst nicht wahr.

Denn mit dem Herz sind wir meist blind.
Wer von uns ist schon wie ein Kind?
Offen für alles wie der Wind,
Der doch dem Meer den Regen bringt,
Er ist so frei und doch gewillt, yeah.

Gib mir ein‘ Koffer für mein Herz,
Der ist unendlich viel mehr wert.
Wenn du ihn mitnimmst, wenn du gehst,
Ihn bei dir trägst von früh bis spät,
Ihn dann zurückbringst, unversehrt.

Ich lauf‘ des Öfteren Gefahr
Zu vergessen wie schön das Leben bisher war.
Mit dir von Anfang an verflochten
Bis ans Ende meiner Zeit.
Wir lieben das Leben und sind dafür bereit.

Denn wir alle werfen Schatten
Auf des Nächsten Licht.
Lass dich nicht zerbrechen
Und fürchte dich nicht
Vor dem, was da kommt,
Vor dem, was du fühlst,
Vor dem, was du liebst.

Das hat die Welt noch nicht geseh’n.

Love is unseen,
Love is your dream,
But love is no dream,
Love is so real
Even though it’s unseen.

Love is the best feeling I ever had.
You and me have to cherish love.
Love keep me warm,
Love keep you warm.
Love is something you have to cherish.
Love of me like a child.

Das hat die Welt noch nicht geseh’n…

Kurze Geschichte des Lebens

November 10, 2008

Kurze Geschichte des Lebens

Rolf F. ist Steuerberater. Er hat eine Frau und einen Sohn; Samstags sieht er sich Boxkämpfe im Pay-TV an.

Christiane G. ist zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei Kinder und arbeitet halbtags. Mittwochs betrügt sie ihren Mann.

Roger E. ist eingewandert. Er ist enttäuscht.

Celine Wellmann ist berühmt. Sie nimmt Drogen und verdient mehr Geld, als sie ausgeben kann.

Allen geht es beschissen.

oder: Ich hatte halt noch Zitate übrig

Ich bin kein ungerechter Mensch, dass soll mir niemand vorwerfen.

Also zwinge ich mich alle halbe Jahr mal, wenigstens zehn Minuten Viva zu gucken um mich zu vergewissern, dass ich nicht zu unrecht über diese Verbrecher herziehe.

Tue ich nicht.

Heute hatte ich das Vergnügen, an einem besonderen Fest der Volksverdummung teilzunehmen, ironischerweise betitelt mit „Die Viva Deutschstunde“ oder irgendetwas gräßliches in der Art. In dieser Perle deutschen Bildungsfernsehens wird dem grunzdoofen Konsumenten der englische Text seiner 08/15- Popscheiße vorgekaut und in einem heimischen Dialekt (Ghettosprech mit deutschen Einflüssen) wieder hochgewürgt.

Allerdings scheint die verdummende Wirkung des eigenen Senders mittlerweile auch ViV4s Mitarbeiter nicht mehr zu verschonen- vielleicht sollten sie auch einfach aufhören, ihre Übersetzer aus dem Kreis ihrer Konsumenten zu rekrutieren.

Ein paar Perlen dieser hochwissenschaftlichen Übersetzungsarbeit, die da geleistet wurde, möchte ich euch, wie auch immer, nicht vorenthalten; wie heißt es noch so schön:

„Kenne deinen Feind.“

Sollte (ich frage an dieser Stelle dann nicht nach Gründen) irgendeiner meiner Leser die entsprechende Sendung auch gesehen haben und Fehler in meiner Wiedergabe finden, kann ich nur Sigrid Löffler (Literarisches Quartett) zitieren:

„Ich bitte um Vergebung, ich hab´s nicht auswendig gelernt- es ist einfach zu schrecklich.“

Als erstes widmen sich Vivas Englischkönner einem Song von Jimi Blue, dem jüngsten Fräuleinwunder deutschen Gangsta Raps und representativ für jeden Furz ohne Haare am Sack, der plötzlich glaubt der dickste Pl4ya am Platz zu sein.

„Dressed to impress“ übersetzt Viva unter mehr als vollem Gebrauch der uns gesetzlich zugesicherten Redefreiheit einfach mal als „Angezogen um zu improvisieren“.

Freunde.

Jetzt aber mal echt.

Ohne witzent- „Angezogen um zu improvisieren“?

Na gut, machen wir erstmal weiter, einen hab ich schließlich noch.

Auf dem Fuße folgen Madonna und Justin Timberlake, der entweder seit neuestem ein Rentner- Faible oder noch ein paar Sozialstunden übrig hat. „4 Minutes“ verklebt die Poren meiner Armen Fernseherboxen und als ich schon dachte, schlimmer kann´s nicht mehr kommen:

„No hesitating“ wird mit „Keinen Stress“ übersetzt.

Freunde, das war eine glatte 6 und zwar im Englisch GRUNDKURS, Klasse 6.

Im Anschluss gibt dann noch ein enger Fummel, in dem wohl irgendwo Collien Fernandes rumliegen muss, einige „echt witzige“ (*Ellbogen in die Seite ramm*) Kommentare ab-

„Hey, jetzt haben wir den Song schon überesetzt und wissen immer noch nicht, worum es geht. Immerhin liegt es nicht an unseren Englischkenntnissen.“

– Doch, Mädel, aber nicht nur an deinen. Ums Ficken gehts natürlich, ist ja auch ein Song von Madonna, und das war jetzt Allgemeinwissen, das ich sogar euch zugetraut hatte.

Fazit des Abends: Es kommt Hoffnung auf. Wenn die Verdummung bei Vivas Konsumenten, Produzenten, Moderatoren und Mitarbeitern gleichermaßen im selben Tempo fortschreitet, werden in ca. 4 Jahren 40 Prozent der deutschen Bevölkerung einem akuten Atemstillstand, verursacht durch Dummheit, erliegen und wir haben eine Chance auf einen Neuanfang.

Der Zirkus zieht weiter

November 4, 2008

Tja, heute Abend, heute Nacht genauergesagt, is also Sense da drüben, bei den Amis.

Bislang hat sich die Lage nicht großartig verändert: McCain in der rechten Ecke, natürlich in rot, versucht es immer noch als „Maverick“, den kauft ihm jedoch schon ewig keiner mehr ab, hat ihm nie jemand abgekauft. Momentan macht er wahrscheinlich mehr den „Double- Maverick“, aber damit können nur Leute was anfangen, die die entsprechende Saturday- Night- Live- Folge gesehen haben.

In der linken Ecke (haha, Wortwitz, vielen Dank.) Obama, der den wohl innovativsten und modernsten Wahlkampf der vergangenen 20 Jahre macht, wage ich mal einfach zu behaupten. Obama, der uns im Kontrast leider zeigt, dass unser Wahlkampf hier in Deutschland auch mal eine gehörige Portion Zirkus vertragen könnte:

Unsere Politiker verstehen mit Sicherheit was von ihrem Stoff, keine Frage (die meisten zumindest). Durch die Bank sind sie aber Alt, charismatisch wie tote Flusspferde und zudem sogar noch langweilig. Immerhin können die Flusspferde noch Fliegen und Maden und… lassen wir das.

Auch mit seinen Methoden, Wahlkampfspenden zu sammeln hat Obama, in den USA zumindest, neue Maßstäbe gesetzt: Mit Charisma und einer Botschaft, die man wohl niemandem sonst so einfach abkaufen würde erreicht er vor allem junge Wähler, die hierzulande das beste Beispiel für mangelnde Wahlbeteiligung sind. Obama kauft Plakatflächen in Computerspielen und motiviert Jugendliche zum Wahlkampf, die noch nicht mal annähernd das wahlfähige Alter erreicht haben.

Gut, irgendwie ist einem das ganze ja auch ein bisschen auf die Eier gegangen; nicht so schlimm immerhin wie das ganze Gerede über Jörg Haider. Wer ist das überhaupt? Egal, vielleicht schreib ich mal was drüber.

Zum Schluss dieses alles in allem wahrscheinlich nichtssagenden Artikels bleibt mir also wenig weiter übrig, als Obama alles Gute und viel Erfolg für die Wahlen zu wünschen, deren Ergebnisse so spät heute Nacht rauskommen, dass ich da natürlich schon längst schlafen werde.

In diesem Sinne-

…und warum wir nicht verstanden werden wollen
Heute einen Artikel in der Zeitung gelesen mit dem Titel:

„Jugendsprech für Noobs“

Schon beim Lesen wurde mir ja übel, denn diese ganze „Wir verstehen unsere Jugend nicht mehr“- Problematik geht mir zunehmend auf die Eier.

Schön illustrieren kann man das an eben jener Artikel- Headline:

„Jugendsprech für Noobs“

Das Jugendsprech ist weitgehend uninteressant, da war sich einfach nur jemand zu cool um „Jugendsprache“ zu schreiben.

„Noobs“ allerdings hat da schon mit einigem mehr aufzuwarten:

Wie in dem Artikel klar wird, hat sich der Autor nämlich nicht im geringsten mit dem Wort und seiner Geschichte beschäftigt, obwohl gerade „Noobs“ ein wunderbares Beispiel gewesen wäre.

Wo es herkommt wissen wir alle:

„Noob“, „NooB“, „N00B“ oder auch „No0ß“ ist eine Kurzform für „Newbie“ einen Neuling also. Nun, ursprünglich zumindest. Denn mittlerweile hat unser „Noob“ eine ganz schöne Entwicklung mitgemacht:

Zuerst weitete man die Bezeichnung aus, jeder war ein „Noob“, der sich entweder blöd verhielt, sich blöd anstellte oder blöd war. Oder eben jemand, den man „dissen“ wollte, noch so ein Wort aus der „Jugendsprech“.

Mit der Zeit entstand dann das Modewort „B00N“, das hauptsächlich im Egoshooter- Bereich Anwendung fand, und wie auch schon „Noob“ über Foren und chats aus dem E- Sport in den Massengebrauch exportiert wurde.

„B00N“ schrieben dann allerdings meistens nur n0obs, deshalb kehrten einige krasse Retro- Checker lieber schnell wieder zum alten Original zurück, dass dann heute auch immer noch gebraucht wird.

Wissenschaftlich gesehen dürfte die Entwicklung multinationaler, spielespezifischer Sprachen wahrscheinlich eine ziemlich interessante Sache sein, allerdings zeigt sich auch das Hauptproblem für alle Außenstehenden: Unsere „Jugendsprache“ entwickelt sich viel zu schnell für den Betrachter.

Als also irgendwelche „Jugend- Duden“ veröffentlicht wurden, passierten zwei Dinge:

1) 90% der Einträge waren natürlich schon längst veraltet, voll 80s, Mann. Oder wann habt ihr das letzt mal jemanden sagen gehört „Der burnt ja bis zum Siedepunkt, Alter“? Eben.

2) Sämtliche armen Menschen, die das Buch kauften, ernteten von ihren Sprösslingen im Bestfall Häme oder Unverständnis, ansonsten wahrscheinlich eher Agression. Denn die Jugendsprache dient, abgesehen von bereits erwähnter multinationaler Verständigung, natürlich auch noch einem weiteren Zweck:

Sich von den „Erwachsenen“ abzuheben.

Erwachsen sein, das steht so ziemlich für alles, was man mit 12-19 oder sogar 19-32 nicht sein will. Erwachsen sein, das heißt Mittelstand, das riecht nach Hackbraten und 5Uhr- Kaffe mit Freunden, die man nicht leiden kann; Erwachsen sein heißt schlechte Musik zu hören, aufzuhören, Spaß zu haben; Erwachsen sein heißt Stillstand.

Und eben das ist das Hauptproblem an diesem Generationenkonflikt:

Erwachsene verstehen uns nicht, weil wir uns zu schnell entwickeln, um uns nicht zu entwickeln. Mitt40er kaufen Bücher über 1337-5p34k, ohne zu wissen, dass die Informationen schon längst veraltet sind.

Unsere Sprache wird monatlich, wöchentlich gepatcht, auf Schulhöfen, in stickigen Mensen, auf Partys, auf denen wir nicht sein dürften, viel zu schnell, um ihr irgendeine Versionsnummer aufzudrücken.

Meiner Meinung nach liegt das Problem woanders:

Das Problem ist zu wenig Dialog, sind am Computer essende, übergewichtige Drecksblagen, deren verantwortungslose Eltern ihnen ihren Fraß auch immer noch schön hinterhertragen.

Das Problem ist, dass Eltern wunderbar die Verantwortung von sich weisen können, wenn sie meinen, sich Bücher kaufen oder Zeitschriften lesen zu müssen, um uns zu verstehen. Dann ist längst alles zu spät.

Ein gegenseitiges Verstehen kann nur passieren, wenn beide Seiten sich, rechtzeitig, bevor die Situation festgefahren ist, austauschen und eine Vertrauensbasis entsteht, auf die man aufbauen kann.

Wenn die nicht vorhanden ist, sind alle Verständnisversuche nichts weiter, als ein ungewolltes eindringen in unsere Privatsphäre, die wir eben unter anderem durch eine eigene Sprache verteidigen.